No-Code Tools: Websites oder Web-Apps ohne Vorkenntnisse erstellen

Als ich 1999 meine erste „Homepage“ erstellte, konnte ich kein HTML. Ich wusste auch nicht, wie PHP funktioniert. Shit! Ich wusste nicht mal, was diese Sachen sind. Und dennoch, ich schaffte es, eine Homepage über meinen Kater zu erstellen, welcher in meinem Freundeskreis ziemlich bekannt war (Moe the Cat). Damals nutzte ich einen sogenannten Homepage-Baukasten, über den ich mit wenigen Klicks meine Website zusammenstellen konnte.

Heute hat sich mit No-Code ein neuer Begriff durchgesetzt, unter den der damalige „Baukasten“ fallen würde. Aber selbstverständlich hat sich mehr verändert als nur der Name. Mit No-Code (oder Low-Code) lassen sich heute sehr umfangreiche Projekte umsetzen. Was es damit genau auf sich hat, was du mit No-Code machen kannst und welche Tools es gibt, zeige ich dir in diesem Artikel.

Was ist No-Code?

Der Begriff „No-Code“ beschreibt bereits sehr gut, um was es geht. Die Idee von No-Code ist es, dass User Websites, Apps und Programme erstellen können, ohne dafür selbst Codes schreiben (bzw. programmieren) zu müssen. Im Prinzip geht es also darum, dass du etwas erschaffen kannst – wie ich damals mit dem Homepage-Baukasten – ohne Ahnung von Programmierung zu haben.

Was ist Low-Code?

Low-Code ist sozusagen die fortgeschrittene Variante von No-Code. Soll heißen, dass du hier die Website oder Applikation mit eigenem Code erweitern kannst (oder musst). Das bedeutet somit, dass du hier deutlich mehr Möglichkeiten hast, Projekte nach eigenen Vorstellungen umzusetzen.

Vorteile von No-Code / Low-Code

Website-Baukästen, wie etwa WordPress, Wix oder Squarespace machen auch heute noch die Mehrheit der No-Code-Tools im Web aus. Die Vorteile davon liegen auf der Hand:

  • Jeder kann ohne Vorkenntnisse eine Website (oder einen Blog) erstellen.
  • Es ist so gut wie keine Einarbeitungszeit nötig, um zu starten. Jeder, der Word nutzt, kann mit WordPress eine Website erstellen.
  • Die Nutzung von No-Code-Tools bedeutet in der Regel eine massive Zeitersparnis, da sofort mit dem Erstellen von Inhalten gestartet werden kann.
  • Es fallen deutlich weniger Kosten an, als wenn Websites oder Applikationen von Grund auf programmiert werden müssen.
  • Auch wenn für komplexere Anwendungen ein Profi beauftragt werden muss, ist insgesamt mit deutlich niedrigeren Kosten zu rechnen als beim Einsatz eines Full-Stack-Entwicklers.

Wenn es um die Erstellung von Online-Applikationen geht, ist auch die Geschwindigkeit von No-Code ein großes Plus. Viele Start-ups setzen zum Beispiel heute darauf, da sie damit in sehr kurzer Zeit einen funktionierenden Prototyp erstellen können. Auf diese Weise lassen sich mit wenig Aufwand konkrete Ideen sofort testen.

Nachteile von No-Code / Low-Code

Das hört sich jetzt fast zu gut an, um wahr zu sein? Es gibt auch Nachteile, die ich dir nicht vorenthalten möchte:

  • No-Code-Plattformen sind oft mit laufenden Kosten verbunden. Für Adalo fallen etwa $ 50 USD pro Monat an.
  • Bei den meisten Plattformen ist es nicht möglich, den Code herunterzuladen. Somit ist die Möglichkeit eines Umzugs auf ein eigenes System nicht gegeben.
  • Egal, wie umfangreich sie ist, du bist immer an die Grenzen der Plattform gebunden. Wenn eine Funktion also nicht unterstützt wird, dann hast du Pech.
  • Jede Plattform funktioniert anders und du musst daher mit einer entsprechenden Lernkurve rechnen.

Anwendungsbereiche

Kommen wir nun zum wichtigen Teil: Was kannst du mit No-Code tatsächlich machen? Die nachfolgenden Anwendungsbereiche sollen dir einen Überblick verschaffen, wobei es bestimmt noch viele andere Beispiele gibt.

Website-Baukästen

Der Klassiker im No-Code-Bereich ist zweifellos der Website-Baukasten. Seit bestimmt 20 Jahren können Webmaster mit Baukästen eigene Websites erstellen – ohne jemals etwas über HTML oder Programmierung gelernt zu haben.

Im Gegensatz zu den Anfangszeiten können heute sehr modern aussehende Websites erstellt werden, die für viele kleine Unternehmen oder Selbstständige ausreichend sein sollten. Grundsätzlich stellt sich hier nur die Frage, ob sich jemand die Zeit nehmen will, sich mit dem Thema zu befassen oder nicht.

Und selbstverständlich gibt es auch in diesem Bereich unterschiedliche Plattformen, die sich an verschiedene Zielgruppen richten. Auf der einen Seite findest du hier etwa Anbieter wie Wix oder WordPress, die sich für Anfänger eignen, weil absolut keine Vorkenntnisse nötig sind. Auf der anderen Seite könnte ich webflow erwähnen, welches deutlich umfangreicher ist und sich entsprechend an User richtet, die mehr Erfahrung haben.

Web-Applikationen

Vor allem unter dem Begriff „Low-Code“ findest du einige Plattformen, die dir die Entwicklung von kompletten Web-Applikationen ermöglichen. Diese gehen weit über klassische Websites hinaus – du kannst nicht nur auf das Aussehen Einfluss nehmen, sondern auch auf die Funktion.

Mit Low-Code können Applikationen erstellt werden, die auf User-Input reagieren und Datenbanken nutzen. Anbieter wie etwa Bubble stellen den Benutzern zahlreiche Vorlagen zur Verfügung, mit denen alle möglichen Web-Apps erstellt werden können. Ob ein Verzeichnis, CRM, Mitgliederseite oder der Clone einer bekannten Website – fast alles ist möglich.

Business-Applikationen

Viele Unternehmen setzen für zahlreiche Business-Prozesse heute auf SaaS-Produkte. Du findest bestimmt Online-Tools für die Rechnungserstellung / Buchhaltung, das Kontaktmanagement oder den Contentplan. Diese haben jedoch alle etwas gemeinsam: die Plattform bestimmt darüber, wie die Tools funktionieren.

Mit No-Code-Plattformen wie etwa Notion können Unternehmen diverse Tools komplett selbst und nach eigenen Vorstellungen erstellen. Für komplexere Lösungen müssen zwar oft mehrere Plattformen genutzt werden, wer aber eine sehr spezifische Anwendung haben möchte, kann mit No-Code durchaus arbeiten.

Low- und No-Code Plattformen

Neue Plattformen kommen zurzeit fast täglich auf den Markt. Deshalb versuche ich mich hier auf einige Highlights zu beschränken, damit du dir einen schnellen Überblick verschaffen kannst.

Hinweis: Viele der Tools bieten einen kostenlosen Plan zum Testen oder mit begrenzten Features.


Websites und Blogs

Wix

Mitunter einer der bekanntesten Anbieter überhaupt. Mit Wix kann jeder mit wenigen Klicks eine Website erstellen. Unzählige Vorlagen sorgen dafür, dass du nicht bei null beginnen musst. Für die Erstellung von Websites für kleine Unternehmen oder Freelancer kann Wix ausreichend sein.

  • Preis: ab $ 4,50 USD / Monat
  • Website

Webflow

Im Gegensatz zu Wix richtet sich Webflow eher an fortgeschrittene Benutzer. Die Plattform ist deutlich umfangreicher und geht eher in die Richtung von Low-Code, da erfahrene Entwickler hier auch mit eigenem Code arbeiten können oder extreme Freiheit mit CSS genießen.

Carrd

Carrd ist ein Website-Builder, der auf Einfachheit optimiert ist. Aufgrund zahlreicher Vorlagen (Templates) kannst du sofort eine simple Website erstellen und mit deinen Inhalten befüllen. Gleichzeitig bietet Carrd aber auch sehr viele Möglichkeiten zur Individualisierung.

Typedream

Ein weiterer Website-Builder, der dir sehr viele Freiheiten zugesteht. Websites können visuell komplett frei aufgebaut werden. Du bist dabei nicht an Templates gebunden und kannst zahlreiche vorgefertigte Elemente nutzen, um ein Design exakt nach deinen Vorstellungen zu gestalten.


Web-Applikationen

bubble

Einer der bekanntesten Anbieter für Low-Code-Applikationen ist bubble. Dieses Tool ist unglaublich mächtig und wird für alle möglichen Apps genutzt. User haben mit bubble Apps wie Jobboards, Communitys, Projektmanagement-Tools und vieles mehr gebaut. bubble kommt zudem mit einer Community, die über einen Marktplatz Templates zur Verfügung stellt.

softr

Dieses Tool funktioniert im Zusammenspiel mit Airtable – ein weiteres No-Code-Tool. Mit Airtable kannst du Tabellen und Datenbanken bauen. softr nutzt Daten, die du in Airtable gespeichert hast für deine Website. So kannst du zum Beispiel Verzeichnisse, Marktplätze oder Communitys erstellen.

  • Preis: ab $ 24 USD / Monat (eventuell zusätzliche Kosten durch Airtable)
  • Website

Adalo

Mit Adalo kannst du mit wenigen Klicks eigene Applikationen erstellen. Adalo hat sich dabei vor allem auf mobile Apps spezialisiert, es sind aber auch Web-Applikationen möglich. In dieser Hinsicht ist Adalo also eine Bubble-Alternative. Das Tool richtet sich insbesondere an Gründer, die eine Idee mit wenig Aufwand umsetzen und testen wollen.


Sonstige

Notion

Notion ist der Allrounder unter den No-Code-Tools. Du kannst damit alles Mögliche erstellen. Eine einfache Website? Kein Problem. Eine Checkliste für dein Business? Klar! Ein Projektmanagement-Tool für dein Team? Check.

Easyvoice

Dieses Tool ermöglicht es dir, ohne zu programmieren, eine eigene App für Amazons Alexa oder Google Assistant zu erstellen. Die App führt dich durch eine Schritt-für-Schritt-Visualisierung. Du kannst dabei auch APIs von Drittanbietern nutzen, um Daten zu importieren.

y42

y42 ermöglicht es dir, individuelle Business-Apps zu erstellen. Das Tool kann Daten von mehr als 100 Drittapplikationen einlesen. Ein Amazon-Verkäufer könnte etwa ein Dashboard erstellen, das alle relevanten Daten auf einen Blick anzeigt (Analytics, Amazon-Verkäufe, Bing und Adwords, Facebook Ads sowie Social Media Daten).

  • Preis: ab € 900 Euro / Monat
  • Website

Landbot

Landbot ist ein No-Code-Chatbot-Builder. Du kannst damit Chatbots für deine Website erstellen und deinen Besuchern damit einen zusätzlichen Service bieten. Landbot ist zudem mit zahlreichen anderen Tools kompatibel (Mailchimp, Slack, Airtable, usw).

Wandelbots

Mit Wandelbots zeige ich dir hier noch ein ganz besonderes Beispiel. Dieses Tool ermöglicht es, ohne Programmierkenntnisse, Industrieroboter zu programmieren. Diese No-Code-Robotik-Plattform soll von jedem bedient werden können.

  • Preis: ab € 299 Euro / Monat
  • Website

Fazit

Ich hoffe, ich konnte dir mit diesem Beitrag einen guten Überblick über das Thema No-Code geben. Wie du siehst, kannst du mit den vorgestellten und weiteren Tools weitaus mehr erstellen, als eine simple Website. Klar, die Lernkurve ist nicht bei jedem Tool gleich, aber grundsätzlich kannst du damit alles bauen, auch wenn du kein Programmierer bist. Na, wann startest du dein nächstes Projekt?

Artikelbild: Martin Mummel/GRVTY

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Dani Schenker

Dani Schenker

Dani Schenker ist seit 2005 im Online Marketing tätig. Zuerst als Blogger und Betreiber von mehreren Websites, später als Dienstleister für SEO und Online Strategie.

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