Snapchat für die (Unternehmens-)Kommunikation – Lernen statt senden in fünf Schritten

Snapchat für die (Unternehmens-)Kommunikation – Lernen statt senden in fünf Schritten

Ist Snapchat der neue Überflieger am Social-Media-Himmel oder doch eher unnützer Ballast, der früher oder später in der Versenkung verschwinden wird? Ein Blick auf die zahlreichen Beiträge zum Thema hinterlässt den interessierten Leser vielleicht eher verwirrt denn informiert.

Sicher, es gibt zahlreiche Tutorials und Erklärungen rund um Snapchat. Einige davon habe ich im Textkasten weiter unten im Beitrag zusammengefasst. Wenn du dich erst mit der App mit dem Geister-Logo befassen willst, bevor du diesen Artikel liest, ist das der optimale Einstieg.

Doch all diese – angesichts der wenig intuitiven Oberfläche – leider nötigen Erklärungen können eine Frage nicht beantworten: Lohnt sich Snapchat?

Ist Snapchat der neue Marketingkanal für Marken?

Einige Verfechter und Fans der App beantworten die Frage mit einem klaren Ja. Philipp Steuer ist einer von ihnen. Er hat nicht nur ein Buch über Snapchat geschrieben, sondern sieht es sogar als das neue Fernsehformat/die Alternative zum Fernsehen.

Andere, vor allem Vertreter auf Seiten der Unternehmenskommunikation und des Marketings, sind da ganz und gar nicht einverstanden. Sie disqualifizieren Snapchat als „unnütz“, „überflüssig“, „übertrieben gehyped“ und „völlig lächerlich“. (Auf Namensnennungen der Zitatgeber verzichte ich hier bewusst.)

Für beide Standpunkte gibt es Argumente. Ich habe mit der gesamten Diskussion – oder genauer gesagt, ihrem Schwerpunkt – ein Problem. Denn sie dreht sich primär um die Frage, ob Marken und Unternehmen Snapchat als Marketingkanal nutzen können.

Das ist zwar möglich – ob es mit vertretbarem Aufwand erfolgreich machbar ist, muss im Einzelfall diskutiert werden – setzt aus meiner Sicht jedoch den falschen Fokus.

Kollege Djure Meinen bringt das in seinem Blogbeitrag dazu ebenfalls zum Ausdruck: „Hört auf, an Eurer eigenen Geschichte auf Snapchat zu bauen. Sucht nicht weiter nach spannendem Content in den Stories. Er ist nicht für Euch gemacht.“

Auch wenn ich in den Stories durchaus spannende Inhalte finde, gebe ich ihm Recht. Snapchat-Stories sind in erster Linie nicht für Unternehmen, sondern für die Nutzer gemacht. Wie Snapchat an sich eben auch.

Deutlicher wird da noch Kollege Kai Thrun, der es wunderbar klar zum Ausdruck bringt: „Sich zu alt fühlen, ist ok. Es nicht nutzen, ist ok. Das ist wirklich ok. Was nicht ok ist, die eigene Unwissenheit als Ausrede zu benutzen.“

Genau das ist der Punkt: Unternehmenskommunikatoren müssen Snapchat nicht mögen. Sie müssen es auch nicht als Marketingkanal nutzen. Ich bin davon überzeugt, dass eine wirklich effektive Nutzung heute nur mit großen Budgets, viel Manpower und/oder langem Atem möglich ist. Für viele Unternehmen – vor allem KMU – ist Snapchat vielleicht eine nette Ergänzung, aber ganz sicher noch nicht essenziell.

Doch statt zu senden und auch Snapchat mit Marketingplattitüden zu füllen, könnten Unternehmenskommunikatoren das Netzwerk für zwei Aktivitäten nutzen, die scheinbar aus der Mode gekommen sind: zuhören und lernen.

Snapchat als Lernplattform für Unternehmenskommunikatoren

Kai Thrun beschreibt Snapchat als Plattform, um sich „an diesen Videokram“ zu gewöhnen. Und Djure Meinen ist im kollegialen Austausch davon überzeugt, dass Kommunikatoren auf Snapchat viel über die – aktuell noch junge – Zielgruppe lernen können. Beide haben aus meiner Sicht recht.

Ich gehe jedoch noch einen Schritt weiter: Snapchat ist für mich nicht zuletzt eine Lernplattform für Unternehmenskommunikatoren, auf der diese …

  • viel über die Kommunikationsgewohnheiten der heute jungen Menschen lernen können.
  • hervorragende Beispiele für richtig gutes, multimediales Storytelling finden.
  • live und ganz praktisch sehen können, wie Community-Aufbau funktioniert.
  • den völlig selbstverständlichen Einsatz von Kurzvideos demonstriert bekommen.
  • ein Gefühl für den Hunger nach authentischen Eindrücken und Erlebnissen bekommen, den viele Nutzer verspüren.
  • kommunikative Trends frühzeitig erkennen können.

Klingt zu gut, um wahr zu sein? Keineswegs … wenn Unternehmenskommunikatoren zuhören können und sich vom fast schon reflexhaften Wunsch, selbst zu senden, verabschieden.

Snapchat: Tutorials und Erklärungen

Bei Workshops und Vorträgen ist die Frage heute fast unausweichlich: „Was ist Snapchat?“ Meine stark vereinfachende Antwort lautet: Snapchat ist eine Mischung aus WhatsApp, Facebook Messenger, Vine und Instagram.

Es ist eine Chat-App, die die Kommunikation mit Hilfe von Bildern, Videos, Emojis und Audio- und Video-Calls und Nachrichten ermöglicht. In Deutschland ist die App vor allem bei Nutzern unter 25 Jahren beliebt und läuft dort auch Messengern wie WhatsApp den Rang ab.

Inzwischen gibt es auch Stories, in die Bilder und Videos öffentlich gepostet werden können. Diese stehen im Mittelpunkt der Marketingbegehrlichkeiten.

Die Besonderheit: Chats bleiben nur kurze Zeit erhalten, Stories werden nach 24 Stunden gelöscht. Snapchat setzt damit auf eine kurzlebige, vergängliche Kommunikation. Das irritiert viele Unternehmen und Marketingmenschen, macht für die Nutzer jedoch den Reiz des Netzwerks aus.

Wer hier Inhalte konsumieren will, tut das mit voller Aufmerksamkeit. Welches andere soziale Netzwerk kann das schon für sich in Anspruch nehmen?

Mein Tipp: Probiere Snapchat einfach mal aus. Eine Praxisanleitung für die sinnvolle Nutzung findest du im Folgenden. Und ein hervorragendes Tutorial bei Kollege Philipp Steuer.

Fünf-Schritte-Plan für Unternehmenskommunikatoren

Damit das aber keine graue Theorie bleibt, habe ich im Folgenden noch einen Fünf-Schritte-Plan für dich, mit dem du als Unternehmenskommunikator Snapchat als Lernplattform nutzen kannst.

Schritt 1: Mit Snapchat starten

Der erste Schritt ist naheliegend: Installiere Snapchat und mache dich mit der App vertraut. Einige Tutorials und Ressourcen dafür findest du im Textkasten oben. Belasse es aber bitte nicht beim Lesen und Anschauen von Tutorials und Anleitungen, sondern gehe zu Schritt zwei über.

Schritt 2: Beginne zu chatten

Um ein erstes Gefühl für Snapchat zu entwickeln und die Scheu abzulegen, empfehle ich dir, mit einer dir vertrauten Person via Snapchat zu chatten. Wenn du Kinder hast, könnten diese hervorragende Snapchat-Partner – auch in Sachen Tipps – sein. Ansonsten findest du sicherlich einen Kollegen oder eine Kollegin, die Snapchat auch ausprobiert. Beim aktuellen Hype kein echtes Problem.

Schritt 3: Suche Snapchat-Nutzer

Snapchat verfügt, noch eine Besonderheit, über keine eine Suchfunktion. Andere Snapchat-Nutzer können dich also nur finden, wenn du deren Snapchat-Namen oder Snapcodes – die Snapchat-Profilbilder mit QR-Code Funktion – kennst. Ein Snapchat-Verzeichnis ist Snapgeist. Ansonsten empfehle ich: Suche auf Twitter nach dem Hashtag #snapchat und achte auf Avatare, die aus Snapcodes bestehen.

Schritt 4: Folge Snapchat-Nutzern

Wenn du interessante Snapchat-Nutzer gefunden hast, solltest du ihnen aktiv folgen. Damit meine ich nicht nur, die Snapchat-Nutzer zu deinen Freunden hinzufügen. Nein, du solltest auch aktiv in die Stories dieser Snapchat-Nutzer hineinschauen und dir die Videos und Bilder zu Gemüte führen. Hier fünf Snapchat-Nutzer – mit ihren Snapchat Namen –, die ich dir in Sachen Storytelling empfehle:

  • aaronfps
  • elialocardi
  • pbreitenbach
  • powervoice
  • shonduras

Schritt 5: Lerne und adaptiere

Wenn du den von dir ausgewählten Snapchat-Nutzern aktiv folgst, wirst du über kurz oder lang Muster und Prinzipien in den Stories und deren Aufbau erkennen. Analysiere diese Muster, lerne von ihnen und prüfe, was du davon für deine Kommunikation und Arbeit adaptieren kannst.

So lernen Unternehmen via Snapchat zu kommunizieren (in 5 Schritten)TWEET

Kurz zusammengefasst

Snapchat ist aus meiner Sicht ein hervorragendes Netzwerk, das ich allen von mir geschulten Unternehmensteams und Kommunikatoren als Lernplattform in Sachen Kommunikation und Storytelling empfehle. Du musst nicht senden, um von Snapchat für dein Unternehmen und deine Kommunikation zu profitieren.

Nicht, wenn du zuhören und lernen kannst.

PS: Wer dann doch im Namen seines Unternehmens senden will, findet bei den Kollegen vom Upload Magazin praxisorientierte Snapchat-Marketing-Tipps. Und wenn du dich für den Community-Aufbau via Snapchat interessierst, dürfte dir die Podcast-Episode von Gordon Schönwälder weiterhelfen.

Und was hälst du von Snapchat – hat das Netzwerk eine Zukunft? Und falls du es nutzt, wie und wofür setzt du es ein?
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Christian Müller

Christian Müller

Christian Müller unterstützt soziale Einrichtungen, Bildungsträger und KMU bei der Nutzung digitaler Kommunikationskanäle. Eine seiner Leidenschaften ist die Videoproduktion und der Einsatz von Livestreaming-Apps. Beides vermittelt er mit Sozial-PR auch in Trainings und Coachings.

3 Reaktionen zu “Snapchat für die (Unternehmens-)Kommunikation – Lernen statt senden in fünf Schritten”

  1. Marion Bressler

    Hi Christian,

    vielen Dank, dass du POWERVOICE empfohlen hast :) Das freut mich total! :)
    Snapchat hat mittlerweile einen hohen Stellenwert in unserer Kommunikation nach außen! Auf keiner anderen Plattform kann ein User so hautnah dabei sein wie auf dieser!

    An alle Snapchat-Starter: Trau dich vor die Kamera zu treten, probiere dich aus, sei du selbst und authentisch und erzähle deine Geschichte mit Spaß :)

    Antworten
  2. Alea

    Hi!
    Ich finde Snapchat privat super! Und ich gucke mir tatsächlich auch Snapchat Storys von Marken an, wenn sie gut gemacht sind.
    Ich fürchte nur mal wieder, dass es im BtoB Bereich nicht wirklich Sinn macht – oder hat dazu jemand schon eine gute Idee gehabt?

    Viele Grüße aus Darmstadt
    Alea

    Antworten
  3. Stefan Schütz
    Stefan Schütz

    Hallo Christian,

    für das Marketing im Allgemeinen ist die Lust auf „Ephemeral“ ein gravierendes Problem, oder?. Stehen solche flüchtigen Auseinandersetzungen mit Inhalten doch im krassen Widerspruch zu ihren auf Nachhaltigkeit ausgelegten Kommunikationsstrategien. Alles, was im Bereich des Content-Marketings bislang unternommen wurde, sollte die langfristige Sichtbarkeit der Marke unterstützen. Wie kann das funktionieren, wenn die Botschaften nur für wenige Sekunden sichtbar sind?

    Viele Grüße
    Stefan

    Antworten

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