Schreiben ist mehr als Tippen: Welche Qualifikationen benötigen Webtexter?

Schreiben ist mehr als Tippen: Welche Qualifikationen benötigen Webtexter?

Mein Name ist Marc. Ich bin Webtexter, Online-Redakteur, Autor. Wie du willst. Ich schreibe im Kundenauftrag Online-Texte in verschiedensten Darstellungsformen über Geomarketing-Software, Pergola-Markisen, elektronische Möbelschlösser, Mediaplanung, Adhäsionsaufkleber usw. Weshalb ich das zum Besten gebe? Meine selbständigen Autoren-Kollegen haben bei Zielbar im vergangenen Jahr leidenschaftlich diskutiert – über den Begriff Texter, über fehlende Wertschätzung und zu geringe Honorare. Dieser Beitrag soll die Diskussion vertiefen, aufzeigen, dass zur Textarbeit mehr gehört als nur das Aneinanderkleben von Buchstaben, und wichtige Texter-Qualifikationen vorstellen. Statt nur in die Tasten zu hauen, beschäftigen sich Webtexter nämlich mit marketingspezifischen Fragestellungen, SEO-Aspekten, Themenrecherchen, vorbereitenden Strukturierungen und dem Entwickeln eines roten Fadens. Kurz: Mein Beitrag ist an dieser Stelle zwar erst 112 Wörter lang, es stecken aber schon sechs Stunden Vorarbeit darin …

Als im vergangenen November der Beitrag „Das Elend der Texter in Deutschland – Rant über ein ramponiertes Berufsbild“ unseres Chefredakteurs Andreas Quinkert erschien, machten Kollegen mit langjährigem Redaktionshintergrund ihrem Ärger im Kommentarbereich Luft:

„Warum – zum Kuckuck – muss jeder, der einen Stift halten kann, sich gleich für einen Schreibprofi halten?“, fragte beispielsweise PR-Kollegin Sigrid Jo Gruner.

Beatrice Fischer-Stracke berichtete hingegen von falschen Vorstellungen seitens der Auftraggeber: „Man spürt das in Verhandlungen mit Kunden, die meinen, schreiben geht doch schnell, wenn man Texter ist. Dass genau das Gegenteil davon der Fall ist, wenn man echte Recherche betreibt, kann man oft erst durch ein langes Gespräch klarmachen.“

Content-Marketer und Agenturinhaber René Gast konstatierte gar, dass der (klassische!) Texter am Ende sei: „Ich fürchte, wir erleben gerade, dass der klassische Texter in Zeiten, in denen Content das neue Gold ist, dennoch im Begriff ist, auszusterben.“

Das Problem: Alle Kollegen haben recht.

  • Professionelle, gut ausgebildete und erfahrene Texter konkurrieren nicht nur untereinander, sondern auch gegenüber orthografischen Leichtgewichten und Grammatikringern großer Textbörsen.
  • Kunden sehen nur das Ergebnis, haben aber keinerlei Gespür für die nötigen Vor- und Nacharbeiten.
  • Der klassische Texter stirbt aus. An seine Stelle tritt ein Hybrid aus (Online-)Marketer und Journalist.

Wann ist Content eigentlich „gut“?

Content-Marketing ist nicht gerade erst angekommen, sondern hat sich längst etabliert. Marketing-Budgets sprechen da eine klare Sprache. Das bedeutet: Deutsche Unternehmen und Marken definieren sich über Inhalte (nicht nur Texte), die bei der Zielgruppe unterschiedliche Ziele erreichen sollen. Damit der kontinuierlich produzierte Content aber sein jeweiliges Ziel erreicht, muss er bestimmte Kriterien erfüllen – sonst kann er nicht wirken.

Zehn grundsätzliche Kriterien „guter“ Webtexte:

  1. Einzigartigkeit: Die Inhalte sind nicht kopiert, sondern unique.
  2. Informationsgehalt: Der Text hat eine Botschaft, eine Aussage, kurz: ein inhaltliches Ziel.
  3. Zielgruppenorientierung: Ein Text kann sein inhaltliches Ziel nur erreichen, wenn er auf eine zuvor definierte Zielgruppe abgestimmt ist.
  4. Verständlichkeit: Das Niveau der Sprache entspricht dem gewohnten intellektuellen Niveau der Zielgruppe. Die Leser werden nicht mit Fachausdrücken, verschachtelten Sätzen oder wirren Gedankensprüngen abgeschreckt.
  5. Mehrwert: Abhängig vom Ziel (informieren, unterhalten, Meinung äußern, Vertrauen aufbauen, Bedürfnisse wecken, Kaufimpuls oder Conversion auslösen …) muss der Text spezifische Inhalte kommunizieren, die zur Zielerreichung beitragen. Soll der Text unterhalten, wäre zum Beispiel die eine oder andere Pointe ganz hilfreich. Soll er informieren, muss er gut recherchierte Fakten bereithalten, die die Fragen der Leser beantworten.
  6. Aktive Sprache: Passivkonstruktionen tragen immer dazu bei, dass Texte langsamer werden. Aktive Verben bremsen nicht, sondern geben Gas.
  7. Klarer Aufbau: Überschrift, Vorspann, Absätze, Aufzählungen, Hervorhebungen erleichtern das Lesen und bieten Orientierung.
  8. Logische Struktur: Die Inhalte sind sinnvoll sortiert, folgen einem nachvollziehbaren Aufbau, haben einen Spannungsbogen und einen roten Faden. Der Autor nimmt seine Leser an die Hand und führt sie über logische Zusammenhänge zum Ziel.
  9. Suchmaschinenoptimierung: Texter-Kollegen laufen jetzt kalte Schauer den Rücken hinunter, weil sie dieser Punkt an die SEO-Texte und Keywordwüsten längst vergangener Zeiten erinnern. Die sind aber definitiv nicht gemeint, sondern Content, der inhaltlich und technisch auf die Bedürfnisse der Suchmaschinen abgestimmt ist (siehe unten) – ohne dabei die menschlichen Leser zu vergraulen.
  10. Orthografische und grammatikalische Qualität: Diesen Punkt habe ich ganz bewusst an das Ende der Aufzählung gesetzt. Schließlich sollte (!) es sich dabei um eine Selbstverständlichkeit handeln: Texte, die Rechtschreibfehler enthalten und durch grammatikalische Sondernutzungsrechte auffallen, wirken unprofessionell und alles andere als vertrauenswürdig.
TIPP: Du möchtest tiefer in das Thema „Gute Webtexte“ einsteigen? Hier eine Leseempfehlung: Jan Tißler, Gründer und Herausgeber des UPLOAD Magazins, hat 2015 in einem Longread beschrieben, welche Faktoren dabei wichtig sind: „Was gute Online-Texte ausmacht“.

Fragt man Marketingverantwortliche nach ihren Prioritäten bei der Content-Erstellung und -Distribution, liegt der Qualitätsgedanke vorn. Im Rahmen der Studie „B2B Content Marketing 2017 – Benchmarks, Budgets and Trends – North America (PDF)“ gaben 76 Prozent der Befragten Qualität als die wichtigste Priorität an.

„Das grundlegende Handwerkszeug alleine reicht für Webtexter nicht aus.“

Um Textinhalte zu schaffen, die diesen hohen Qualitätsanforderungen genügen, bedarf es bestimmter Voraussetzungen bzw. Fähigkeiten. Hier scheint es noch Nachholbedarf zu geben. Denn nicht nur Sigrid Jo Gruner (siehe Zitat oben) legt den Finger in die Wunde. Auch Petra Meyer, Geschäftsführerin Ippen Digital Media, attestiert im Geleitwort zu „Think Content!“ von Miriam Löffler unterschiedliche Qualitätsniveaus. Sie schreibt: „Zum Glück gibt es sie, die talentierten und gut ausgebildeten Webtexter und Online-Redakteure. Doch leider sind es noch viel zu wenige. Drei von vier Autoren, die sich bei uns bewerben, lehnen wir ab. (…) Das grundlegende Handwerkszeug alleine reicht für Webtexter jedoch nicht aus. Es muss ständig für das Medium Internet erweitert werden.“ Bei dieser Gelegenheit sei auch nochmals auf unser Interview mit Miriam Löffler aus dem Jahr 2016 hingewiesen.

Was sollte ein „guter“ Webtexter heute unbedingt beherrschen?

Grundsätzlich, so viel sollte bisher klar sein, gilt: Texter texten nicht einfach drauf los, sie bereiten ihre Arbeit vor und nach. Eine gute Schreibe alleine macht noch keinen professionellen Webtexter (wobei sie auch nicht schadet!). Denn ebenso wichtig ist das folgende Handwerkszeug:

Journalistische Methoden und Arbeitsweisen

Sie bilden die Basis, um Informationen gewissenhaft zusammenzustellen und für die Leser in unterschiedlichen Darstellungsformen gemäß relevanter Nachrichtenfaktoren interessant aufzubereiten.

Am Anfang steht die Recherche, also das Sammeln von Fakten. Und damit ist auch 2017 nicht (nur) die Suchmaschinensuche gemeint. Vielmehr geht es beim Recherchieren darum, Informationen aus verschiedenen Quellen zusammenzutragen, diese Quellen und ihre Intentionen zu bewerten und die Informationen zu ordnen.

Mechthild Wachter hat ein lesenswertes Plädoyer für die „gute alte Recherche“ verfasst, das ich allen Interessierten hiermit ausdrücklich ans Herz legen möchte.

Journalisten bereiten Themen zielgruppenspezifisch und in der jeweils geeigneten Darstellungsform auf. Das sollte auch jeder Webtexter aus dem berühmten Effeff beherrschen. Schließlich gibt es nicht nur Blogbeiträge und Produkttexte, sondern eine große Vielfalt möglicher Darstellungsformen – von der kurzen Nachricht über den Bericht bis hin zum Interview oder Rant (Kommentar).

Um die Inhalte planen und organisieren zu können, arbeiten Redaktionen mit Themen- bzw. Redaktionsplänen. Die bilden im Idealfall den Redaktionsprozess ab, helfen bei der Organisation der Workflows (Wer macht was bis wann?) und setzen wichtige Fristen. Für professionelle Webtexter sollte die Arbeit mit diesen Organisationstools selbstverständlich sein.

Natürlich ist ein Tageszeitungs- oder Magazinjournalist nicht automatisch auch ein guter Webtexter. Er verfügt durch seine Ausbildung zwar über die grundlegenden Skills, muss sich aber Marketingexpertise und Usability-Know-how draufschaffen.

(Content-)Marketing-Basiswissen

Marketing-Basiswissen ist deshalb auch der zweite Punkt dieser Aufzählung. Autoren und Texter dürfen ihre Arbeit niemals isoliert betrachten. Sie sind eingebunden in einen Marketingprozess, treffen auf Marketingverantwortliche und sollten auf Augenhöhe mit diesen kommunizieren können – sonst endet das Textbriefing in einem babylonischen Sprachengewirr.

Apropos: Ein guter Webtexter muss nicht nur ein Kundenbriefing verstehen, bewerten und für seine Arbeit nutzen können, sondern auch Kunden durch ein solches Briefing führen – falls die zur Verfügung gestellten Informationen nicht ausreichen. So minimieren die Autoren schon vor dem Schreiben unnötige Korrekturschleifen im Nachgang.

Vor dem Schreiben sollten folgende Punkte zwischen Auftraggeber und Autor geklärt sein:

  • Gibt es Keywords (Firmen- oder Produktnamen, fachspezifische Begriffe oder Formulierungen), die für die Auffindbarkeit in der Suchmaschine relevant sind?
  • Welche Länge soll der Text haben, wo erscheint er?
  • Wie soll der Rezipient angesprochen werden? Du, Sie oder neutral?
  • Welche Tonalität ist erwünscht? Nachrichtlich nüchtern, dynamisch, pointiert, provokativ …?
  • Welche Aufgabe hat der Text? Möchte er informieren, emotionalisieren, unterhalten oder aktivieren?
  • Wann ist der Abgabetermin, wer gibt den Text frei, wann soll er veröffentlicht werden?

Ich habe schon bei den Kriterien für gute Webtexte mit dem Zaunpfahl gewinkt: Wir Autoren müssen Ziele und Zielgruppen definieren. Wenn wir nicht wissen, für wen wir schreiben und welches Ziel unser Text erreichen soll, irren wir blind und orientierungslos durch den Buchstabendschungel.

Um evaluieren zu können, ob der von uns erstellte Produkttext, der Blogbeitrag, das E-Book oder die Checkliste wirken, müssen wir KPIs entwickeln (denken!), erheben (Tools einsetzen!) und auswerten (dokumentieren und denken!).

Dabei können zum Beispiel folgende KPIs (bzw. Leistungskennzahlen) zu aussagekräftigen Ergebnissen führen:

  • Seitenaufrufe
  • Durchschnittliche Besuchszeit
  • Anzahl Downloads
  • Absprungrate
  • Anzahl Einstiege auf der Seite
  • Anzahl Ausstiege auf der Seite
  • Anzahl der Interaktionen in den sozialen Netzwerken

Es geht somit immer auch um die Performance des von uns erstellten Contents. Erreicht ein Text die Zielgruppe nicht, ist er obsolet.

SEO-Kenntnisse

Um die Wahrscheinlichkeit einer guten Performance zu erhöhen, sollten Webtexter über Kenntnisse der Suchmaschinenoptimierung verfügen und diese im Arbeitsalltag anwenden – wobei inhaltliche Aspekte hier für uns erst einmal wichtiger sind als technische. Um die kümmern sich im Idealfall SEOs und Webmaster.

Durch die kontinuierliche Weiterentwicklung des Suchalgorithmus treibt Google auch die Suchmaschinenoptimierung an. Wo es vor Jahren noch ausreichte, Keywords mit der Schrotflinte in den Text einzufügen (Motto: Viel hilft viel!), geht es heute um keywordbasierten Content, der sich durch Qualität, Kontext und Nutzen auszeichnet.

Aber Vorsicht! Checklisten-SEO ist out. Vielmehr führen holistische Inhalte zum Erfolg in der Suchmaschine. Das ist gut für uns, denn sie entsprechen eher unserer Arbeitsweise, als nach Keyword-Density zu schreiben und dabei den menschlichen Leser völlig aus dem Blick zu verlieren.

Allgemein gilt: Ein perfekt auf die Nutzerintention abgestimmter Inhalt in Kombination mit einer optimalen technischen Grundstruktur führt zum Rankingerfolg. Das ist das Ergebnis der aktuellen Searchmetrics-Studie Rebooting Ranking-Faktoren Google.de, für die die Macher ein Set aus 10.000 Keywords untersuchten. In der Executive Summary heißt es: „Relevanter Content zeichnet sich durch die Beantwortung von möglichst vielen Fragen und die Auseinandersetzung mit den wichtigsten Teilaspekten eines Themas aus, entsprechend holistisch und umfänglich sind solche Inhalte.“

TIPP: SEO ist ein komplexes und sich schnell weiterentwickelndes Thema – und sicherlich ist dem einen oder anderen aufgefallen, dass ich deshalb erst gar nicht den Versuch unternommen habe, an dieser Stelle tiefer in die Thematik einzusteigen. Das hätte jeglichen Rahmen gesprengt. Stattdessen zwei Leseempfehlungen:
1. Julian Dziki von Seokratie mit einem Ausblick, welche Themen in 2017 für die Suchmaschinenoptierung wichtig werden: „SEO Trends 2017 – Wohin geht die Reise?
2. Fabian Auler von Farbentour über das suchmaschinengerechte Schreiben: „Vergiss SEO-Texte und fang endlich an, an deine Leser zu denken!

Usability-Kenntnisse

User rezipieren Online-Texte (auf der Corporate Website oder im Blog) anders als beispielsweise Beiträge in Printmagazinen oder Büchern. Sie lesen nicht Zeile für Zeile von links nach rechts, sondern scannen den Content nach interessanten Informationen. Webtexter sollten mit den aktuellen Rezeptionsgewohnheiten ihrer Leser vertraut sein und das Content-Angebot darauf ausrichten.

Ergebnis Usability-Studie

Rezipienten lesen Online-Texte nicht von links nach rechts, sondern scannen. Ankerpunkte wie Zwischenüberschriften und Aufzählungen helfen dabei. Hier das Ergebnis einer deutschen Eye-Tracking-Studie. (Quelle: usability.de)

Die Autoren der deutschen Usability-Untersuchung „Und sie lesen doch! Studie zum Leseverhalten im Internet“ definieren im Fazit der Studie Regeln für die Content-Produktion. Neben der Intention (Welche Informationen benötigt der User?) legen sie dabei den Fokus auf den Kontext: Hat der Leser viel Zeit, mit welchem Endgerät greift er auf die Information zu?

Darüber hinaus empfehlen sie, die Möglichkeiten der Gliederung und Textgestaltung auszuschöpfen, um die Rezipienten beim Scannen zu unterstützen. Geeignete Hilfsmittel sind:

  • Inhaltsverzeichnis, um für zusätzliche Orientierung zu sorgen
  • Fettdruck relevanter Schlagwörter
  • Zwischenüberschriften, um Sinnabschnitte zu schaffen
  • Aufzählungen
  • Unterabschnitte
  • Infoboxen

Storytelling

Neben diesen strukturierenden Aspekten macht sich ein professioneller Webtexter im Vorfeld des Schreibens selbstverständlich Gedanken über die konkrete Aufbereitung der Inhalte. Ich habe die verschiedenen Darstellungsformen zwar bereits angerissen, aber die „Königsdisziplin“ bewusst ausgespart: das Storytelling. Hierbei geht es nicht etwa darum, einfach in „Es-war-einmal“-Romantik eine schöne Geschichte zu erzählen, in der (was für ein Zufall!) Produkte, Marken oder Unternehmen eine Rolle spielen.

Vielmehr ist Storytelling eine Technik, die Geschichten emotional auflädt, in Form des Spannungsbogens eine Heldenreise erzählt und die Identifikation mit den handelnden Personen oder Produkten ermöglicht.

Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Die Rezipienten werden nicht auf der sachlichen Ebene angesprochen, sondern auf der emotionalen. Das macht sie empfänglicher für die Botschaften.
  • Die in der Geschichte aufbereiteten Inhalte unterscheiden sich von faktenbasiertem Content auf (anderen) Webseiten, sind aufmerksamkeitsstark und können einen USP darstellen.
  • Die Erzählung kann in die Tiefe gehen und bringt anschaulich nahe, wofür Produkt, Marke oder Unternehmen stehen.
  • Die Handlung muss sich nicht auf einen Kanal (z. B. die Corporate Website) beschränken, sondern kann crossmedial aufbereitet werden, um eine möglichst große Wirkung zu entfalten. Neben dem Text sind auch visuelle Inhalte wichtig.
  • Storytelling verbindet im Idealfall die Zielgruppe emotional mit Produkt, Marke und Unternehmen.
TIPP: Weitergehende Informationen zum Storytelling und konkrete Beispiele für diese Erzähltechnik haben wir bereits in der Vergangenheit zusammengetragen: „Storytelling – alles neu macht der Messenger“ und „Darf man Content Marketer sagen? Nicht wenn es um Storytelling geht!“ von Stefan Schütz.

Geschichten zu stemmen, die Inhalte zielgruppenspezifisch in einen umfassenderen Handlungsrahmen einfügen und dabei nicht das kommunikative Ziel aus den Augen zu verlieren, ist wie bereits erwähnt die „Königsdisziplin“. Allerdings bedarf sie eines gut durchdachten Skripts – und damit auch wieder langer Vorbereitung, bevor überhaupt der erste Buchstabe geschrieben wird

Webtexter müssen journalistisches Know-how mit Marketing-Expertise verbinden, ansonsten kleben sie nur Buchstaben aneinander

„So ein Text ist ja schnell geschrieben!“ – Stimmt! Allerdings bedarf es dafür penibler Vor- und Nacharbeit, konzeptioneller Denke und Marketingpower. Die dauert ihre Zeit. Für erfahrene Texter ist das selbstverständlich – für Auftraggeber, Vorgesetzte und Außenstehende oftmals nicht. Ich hoffe, dieser Text konnte einen kleinen Beitrag dazu leisten, das oftmals zeitintensive Texter-Handwerk besser zu verstehen. Auch dieser Beitrag war übrigens erst fertig, nachdem Korrekturschleifen und Absprachen mit der Chefredaktion sowie das Einstellen ins Redaktionssystem inklusive Formatieren, Formulieren von Title und Meta-Description etc. erfolgt sind. Vorher gibt’s nämlich keinen Klick auf den magischen „Veröffentlichen“-Button.

Heute halte ich es so wie an jedem Zielbar-Veröffentlichungstag: Parallel zur Textarbeit verfolge ich via Google Analytics und Social Media die Aufrufe und Reaktionen. Denn auch nach 20 Jahren Journalismus, PR und jetzt Content-Marketing hängt an jedem Buchstaben Herzblut. Genau wie bei tausend anderen Webtextern auch.

Artikelbild: Martin Mummel/GRVTY

Klar, dieser Beitrag ist subjektiv gefärbt. Habe ich deiner Meinung nach relevantes Handwerkszeug vergessen, das ein Webtexter heute mitbringen sollte? Welche Qualifikationen hältst du für besonders wichtig?

Schreiben ist mehr als Tippen: Welche Qualifikationen benötigen Webtexter?
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Marc Ostermann

Marc Ostermann

Marc Ostermann kommt aus dem Journalismus, hat PR gelernt und kommuniziert nun primär digital via Pixel. Er hat Kommunikation studiert, Tageszeitungen vollgeschrieben und als PR-Mensch den Mittelstand vertreten. Mit dem PR Desk liefert er Strategie und Content für Unternehmen, die on- und offline Zielgruppen überzeugen möchten.

20 Reaktionen zu “Schreiben ist mehr als Tippen: Welche Qualifikationen benötigen Webtexter?”

  1. Katharina

    Das ist ja mal ein Text, den ich bei Anfragen à la „So ein Blogartikel soll ja nur 600 Wörter haben, die sind doch schnell getippt. Da reichen doch 20-30 Minuten, oder?“ kommentarlos als Antwort verschicken kann.
    Sehr gute Darstellung! Texten ist eben nicht nur Tippen, sondern ganz viel Arbeit vorher, beim Schreiben und danach.

    Antworten
    1. Marc Ostermann
      Marc Ostermann

      Hallo Katharina,

      solche „Anfragen“ kennen wir wahrscheinlich alle. Es wäre mir eine Ehre, wenn dieser Beitrag eine Argumentationshilfe dafür sein könnte, zu erklären, weshalb 30 Minuten dann doch ein wenig knapp kalkuliert sind. ;)

      Danke für dein Feedback und weiterhin viel Erfolg!

      Antworten
  2. Andrea Stanke

    Lieber Marc,
    tausend Dank für Deinen fundierten Artikel über die hohe Kunst des Textens im Netz. Gerade die neuen Content-Marketing-Tools und verschiedenen Darstellungsformate machen unsere Arbeit doch so abwechslungsreich. Ich liebe die kreative Bild-Text-Gestaltung, um Botschaften wirksam zu vermitteln – und zwar in erster Linie dem Leser und dann erst den Suchmaschinen. Schade nur, dass das noch nicht alle begriffen haben und immer noch so viele geschliffene Worte in schlechten Weblayouts untergehen …
    Herzliche Grüße aus Köln,
    Andrea

    Antworten
    1. Marc Ostermann
      Marc Ostermann

      Hallo Andrea,

      deine Freude am Texten fürs Web macht mir gerade gute Laune. Schön, dass es Kolleginnen und Kollegen gibt, die diese alltägliche Herausforderung mit so viel Begeisterung angehen und die abwechslungsreiche Arbeit ebenso zu schätzen wissen.
      Weitermachen! :)

      LG Marc

      Antworten
  3. Philip Hoevels

    Hier habt ihr mal wieder einen sehr hilfreichen und umfangreichen Artikel erstellt. Ich bin schon länger Fan von euren Inhalten und teile viele Artikel auf Twitter.

    Im Zuge des Themas „Content Marketing“ sind immerhin einige Web-Publisher aufgewacht und erstellen bessere Inhalte. Aber ich muss auch Frau Stanke rechtgeben. Leider ist der Text nicht alles. Auch die Verpackung muss passen. Ein holistischer Ansatz muss verfolgt werden. An der Akademie für Digitale Wirtschaft und Management der Wildner AG in München kann man sich diesbezüglich weiterbilden. Es bleibt zu hoffen, dass auch Google den Weg der Qualität weiter forciert. Schöne Grüße aus München!

    Antworten
    1. Marc Ostermann
      Marc Ostermann

      Lieber Philip,

      besten Dank für dein Lob und den „kleinen Hinweis“. Vielleicht sollten wir an dieser Stelle darauf hinweisen, dass es auch noch andere Weiterbildungsangebote zum Thema gibt. ;)

      Grüße in den Süden!

      Antworten
  4. Barbara Kettl-Römer

    Danke für diesen Beitrag, der hoffentlich vielen Auftraggebern verdeutlicht, warum die Arbeit eines Texters in jedem Sinne wertvoll ist. Tatsächlich stelle auch ich als Fachautorin/-journalistin mit gelegentlicher Textertätigkeit fest, dass bei letzterer zunehmend journalistische Qualitäten gefragt sind. Vor allem aber fällt mir auf, dass viele Auftraggeber sich selbst nicht darüber im Klaren sind, was der gewünschte Text eigentlich bewirken soll. Ergebnis ist, dass ich sie nicht durch ein Briefing führe, sondern dieses überhaupt erst aus ihnen „herauskitzeln“ bzw. teilweise selbst erarbeiten muss. Damit wirke ich als Beraterin, bevor ich texte, was zu den genannten Facetten der Texter-Tätigkeit eine weitere hinzufügt …

    Antworten
    1. Marc Ostermann
      Marc Ostermann

      Hallo Barbara,

      du hast mich erwischt. :) Denn genau diesen Beratungsaspekt meinte ich. Allerdings habe ich das im Beitrag mit „durchs Briefing führen“ ein wenig verklausuliert ausgedrückt. Ja, es ist so, dass das Texterbriefing häufig auch deutliche Beratungsanteile beinhaltet und Briefinginhalte gemeinsam erarbeitet werden müssen.

      Danke für den wichtigen Hinweis!

      LG Marc

      Antworten
      1. Barbara Kettl-Römer

        Aber gern :-)

        Antworten
  5. Arno Kuss

    Starker Beitrag: Bemerkenswert, uneingeschränkt empfehlenswert, lesenswert – wertvoll für alle Webtexter, Texter, Kommunikationsdesigner, Journalisten, Online-Marketer, SEOs, Content Manager, Öffentlichkeitsberater usw.

    Antworten
    1. Marc Ostermann
      Marc Ostermann

      Vielen Dank! Lob von Kollegen zählt doppelt. ;)

      Antworten
  6. Stephan

    Hallo, ich finde den Beitrag auch super und notwendig – Top Plädoyer Marc!
    Nur noch ein Zusatzpunkt: Thema Kosten? Was darf ein guter Webtexter dann auch kosten? Um ordentliche SEO-Analysen machen zu können braucht es meist kostenpflichtige Tools o.ä.!?

    Antworten
    1. Marc Ostermann
      Marc Ostermann

      Hallo Stephan,

      herzlichen Dank für dein Lob. Freut mich!

      Du hast recht, das Thema Kosten kommt in diesem Beitrag nicht vor. Der Themenschwerpunkt liegt hier vielmehr bei den Qualifikationen und damit dem konkreten Handwerkszeug, das Texter mitbringen (sollten), um professionell Content fürs Web erstellen zu können.

      Stimmt, dazu gehören u. a. auch SEO-Analysen. Wir nutzen hier einen der großen Toolanbieter, stellen Kunden individuelle Auswertungen zur Verfügung, beteiligen sie aber auch an den Tool-Kosten.

      Beste Grüße

      Marc

      Antworten
      1. Stephan

        Wo finde ich Tipps zur Kostenkalkulation? Hast du vielleicht weitere Link-Vorschläge?
        Grüße, Stephan

        Antworten
        1. Marc Ostermann
          Marc Ostermann

          Dieser Kommentar erhebt nicht den Anspruch einer individuellen Beratung, denn die kann er definitiv nicht leisten. Deshalb zu ersten Orientierung (ältere Zahlen!): http://www.mediafon.net/meldung_volltext.php3?id=4368f47e5632b&akt=empfehlungen_empfehlungen. Aktuellere Daten und mehr Informationen gibt es sicherlich beim Texterverband (http://www.texterverband.de/index.html).

          Antworten
  7. Kornelia C. Rebel

    Hervorragender Artikel, der das Thema umfassend darstellt: Ich sehe gelegentlich Auftraggeber, die davon ausgehen, dass Texter locker 1.000 Worte in der Stunde schreiben. Ich frage mich immer, wer das schafft. Als ausgebildete Tageszeitungsredakteurin, Buchautorin und seit über einem Jahr Texterin für Online-Medien bin ich froh, wenn inklusive Recherche 200 bis 300 Wörter pro Stunde herauskommen. Diese Wörter sind gut recherchiert, brauchen aber gelegentlich noch Feinschliff. Herzlichen Dank für diesen Artikel, der Dich sicher einige Zeit gekostet hat.

    Antworten
    1. Marc Ostermann
      Marc Ostermann

      Hallo Kornelia,

      Zeit und Nerven. ;)

      Die Erwartungshaltung, beim Schreiben quasi die Schallmauer zu durchbrechen, kenne ich bestens. Und natürlich schaffe auch ich nicht 1.000 Wörter in 60 Minuten. Aber diese Haltung gegenüber Texten und Textern spiegelt das beschriebene Problem: eine unsympathische Mischung aus Unkenntnis und fehlender Wertschätzung.

      LG und herzlichen Dank für dein Lob

      Marc

      Antworten
  8. Peggy Jacob

    Vielen Dank für diesen Beitrag, der jedem Texter aus dem Herzen spricht!

    Antworten
  9. Kerstin Boll
    Kerstin Boll

    Hallo Marc,
    Deinen Artikel habe ich erst jetzt gesehen und möchte unbedingt einen dicken Haken darunter setzen. Ja, genau so.

    Antworten
    1. Marc Ostermann
      Marc Ostermann

      Liebe Kerstin,

      selten habe ich mich so gefreut, wenn jemand sagt, meine Texte könne man abhaken. ;)

      Herzlichen Dank!

      LG Marc

      Antworten

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