SEO-Mythen und die Gefahr, Tipps falsch zu verstehen

SEO-Mythen und die Gefahr, Tipps falsch zu verstehen

Heute möchte ich mal Besserwisser sein. Mit Kommentaren zu Beiträgen anderer SEO-Spezialisten, die Tipps für die Suchmaschinenoptimierung geben, habe ich mich vor ein paar Jahren wahrscheinlich an einigen Stellen in der Szene unbeliebt gemacht. Ich habe dabei zumindest gelernt, dass ich mich lieber etwas zurückhalte. Jeder hat ja so seine Erfahrungen gemacht. Und wie die Such- oder vielmehr die Bewertungs- und Sortieralgorithmen von Google funktionieren, ist und bleibt ein sehr spekulatives Thema.

Manche Faktoren werden zwar offen kommuniziert – viele Aussagen und Tipps dazu sorgen aber gleichzeitig für Unsicherheit. Ganz besonders schlimm finde ich die Ratschläge, denen ich schon beim Lesen anmerke, dass es sich nicht um Ergebnisse aus der Praxis handelt. Hätte man hier zunächst einmal ausgiebig getestet und gegengeprüft, so hätte man ganz sicher festgestellt, dass es so nicht funktioniert.

Die nachfolgenden Punkte basieren auf meinem derzeitigen Kenntnisstand, der sich auf aktuelle Ergebnisse bei eigenen Projekten sowie aus Kundenprojekten stützt. Wenn andere Suchmaschinenoptimierer hier und da abweichende Erfahrungen gemacht haben, so liegt dies offenkundig daran, dass Google für die Bewertung der entsprechenden Webseiten andere oder zusätzliche Faktoren heranzieht, um die Qualität und den Nutzen besser einschätzen beziehungsweise kalkulieren zu können. Auch darauf gehe ich in meinem Artikel über typische SEO-Mythen etwas näher ein. Ein paar davon werden dir sicherlich schon begegnet sein.

Mindestens 1.000 Wörter?

Die Inhalte auf Webseiten bestehen nicht nur aus Text. Bereits aus diesem Grund sollten wir Aussagen etwas skeptisch gegenüberstehen, die uns weismachen wollen, dass wir mindestens 1.000 Wörter für ein gutes Ranking in Suchmaschinen brauchen.

Viel wichtiger ist es, dass wir uns Gedanken über das Ziel eines Inhaltes machen. Wollen wir ein Problem lösen oder unsere Leser unterhalten? Verkaufen wir etwas, von dem wir erst einmal überzeugen müssen, oder weiß der Nutzer schon ziemlich genau, was er will? Handelt es sich um einen Artikel zu einem aktuellen Ereignis oder ist der Inhalt zeitlos?

Bereits an diesen Fragen erkennen wir, dass die Anzahl der Wörter in einem Text vielmehr eine Folge dessen ist, wie viele Informationen eine bestimmte Inhaltsart benötigt, um ihren Zweck zu erfüllen. Oder wie es Burkhard Asmuth in seinem Artikel ausdrückt: Nicht jedes Thema braucht den Raum und die Tiefe für 1.000 Wörter.

Du solltest also nicht die Wörter zählen. Überlege stattdessen lieber, welchen Nutzen deine Leser von deinem Inhalt haben. Verwende Begriffe, nach denen deine Zielgruppe tatsächlich sucht. Mach dich mit der erforderlichen Ansprache vertraut. Halte Ausschau nach anderen Artikeln, die durch eine Verlinkung einen zusätzlichen Mehrwert bieten. Binde andere Formate wie Grafiken und Videos ein, sofern diese deinen Text und deine Aussagen unterstützen. Und ganz wichtig: Verliere den Fokus nicht! Behalte dein Kernthema im Auge!

Suchbegriffe in der Meta-Description?

Die Meta-Description, über die wir den Inhalt einer Webseite beschreiben, zählt zu den Kopfdaten eines HTML-Dokuments. Diese Kopfdaten enthalten Informationen, die für Nutzer auf der Webseite nicht sichtbar sind. Genau aus diesem Grund konnten wir hierüber ziemlich einfach das Ranking einer Webseite beeinflussen, ohne dadurch den Nutzer selbst zu verwirren. Vor etwa zehn Jahren aber hat Google darauf reagiert und bezieht seither diese Daten nicht mehr in die Bewertung einer Seite ein. Schlüsselwörter beispielsweise, die wir über die Meta-Keywords hinzufügen können, werden von großen Suchmaschinen grundsätzlich nicht mehr  verarbeitet.

Die Meta-Description gibt es auch heute noch. Wenn die Schlüsselwörter darin allerdings keinen Einfluss mehr darauf haben, an welcher Position ein Eintrag in den Suchergebnissen landet, warum sollten wir trotzdem unsere Suchbegriffe in dieser Meta-Angabe platzieren? Doch kein SEO-Mythos?

Zur Anzeige der kleinen Vorschau in den Suchmaschineneinträgen werden Auszüge aus dem Text angezeigt, in dem die gesuchten Begriffe vorkommen. Im folgenden Beispiel suche ich nach „Google+ tot“. Mein Artikel zu Google+ ist bei mehr als 50 Millionen Ergebnissen auf der ersten Seite zu finden.

Google-Snippet "Google+ tot"

Screenshot Suchergebnis Google-Suche nach „google+ tot“

Hätte ich bei diesem Artikel die Suchbegriffe zusätzlich in der Meta-Description platziert, wäre die Position in den Suchergebnissen zwar dieselbe. Doch anstelle des Textausschnitts würde höchstwahrscheinlich die Meta-Description hier stehen. Wir erhalten somit die Chance, mit der passenden Ansprache einen Suchenden „abzuholen“ und zum Aufrufen unserer Webseite zu animieren, ohne dabei den sichtbaren Text ändern zu müssen. Bei meinem Artikel habe ich dies für die erwähnte Suchanfrage nicht getan.

Maximal 160 Zeichen in der Meta-Description?

Bei allen Artikeln, die wir auf ZIELBAR veröffentlichen, habe ich auch bei der Meta-Description meine Finger im Spiel. So beispielsweise bei den zehn Linkbuilding-Strategien nach Google-Richtlinien von Dieter Ziebert. Zur Veranschaulichung, dass es mit maximal 160 Zeichen etwas weit hergeholt ist, eignet sich dieser hervorragend.

Ich suche nach „linkbuilding google richtlinien“. Angezeigt wird in diesem Fall ein Ausschnitt der Meta-Description, in denen diese Wörter tatsächlich vorkommen.

Google-Snippet "Linkbuilding Google Richtlinien"

Screenshot Suchergebnis Google-Suche nach „linkbuilding google richtlinien“

Man könnte nun vermuten, dass die Meta-Description aus 135 Zeichen mit ebendiesem Inhalt (beziehungsweise nur diesem Inhalt) besteht. Dem ist jedoch nicht so. Insgesamt enthält die Meta-Description 246 Zeichen und sieht wie folgt aus:

„Linkbuilding zählt zur Offpage-Optimierung. Zwischen Relevanz und Semantik. Der Weg zu natürlichen Links. SEO nach Google-Richtlinien. Linkbuilding-Strategien, die von Google als ’sauber‘ eingestuft werden und deine Webseiten nach vorne bringen.“

Zwecks Gegenprobe suche ich nach „linkbuilding strategie google“ und erhalte folgendes Suchergebnis:

Google-Snippet "Linkbuilding Strategie Google"

Screenshot Suchergebnis Google-Suche nach „linkbuilding strategie google“

Wie können wir einen Nutzen daraus ziehen?

So verschieden Menschen und ihre Beweggründe bei einer Suche sind, so unterschiedlich kann auch die Ansprache sein, durch die sie sich angesprochen fühlen. Sucht jemand nach Begriffen, die im ersten Teil der Meta-Description auftauchen, zeigt Google diesen an. Mit etwa 140 Zeichen können wir jemanden so gezielter abholen. Andere wiederum holen wir mit passenden Suchbegriffen über den zweiten Teil der Meta-Description ab.

Wie bereits oben angedeutet, reicht es nicht, die Suchbegriffe lediglich in der Meta-Description zu platzieren. Findet Google diese nicht im Text selbst, wird es schwieriger, zu diesen Begriffen zu ranken.

Generell solltest du es mit der Länge nicht übertreiben. Ich empfehle dir auch, Sätze beziehungsweise Wortgruppen mit einem Punkt abzuschließen, denn Google schneidet bei längeren Texten ab und ergänzt mit drei Punkten. Dies ist keine zwingende Maßnahme. Es wirkt jedoch abgeschlossener.

Nur eine h1-Überschrift?

Als h1-Überschrift wird der sichtbare Text eines HTML-Dokuments bezeichnet, der als Überschrift ersten Grades zu verstehen ist. Da es sich bei Blogartikeln hierbei meist um den Titel eines Beitrags handelt, wirft sich für dich jetzt vielleicht die Frage auf, warum es sich um einen SEO-Mythos handeln soll. Schließlich hat ein Artikel ja nur einen Titel und nicht mehrere.

Google interessiert es nicht, wie viele h1-Überschriften auf einer Webseite existieren. Eine logische Struktur sollte ein Text dennoch besitzen.  Du solltest also keinen kompletten Absatz als Überschrift auszeichnen, nur damit dein Text etwas größer dargestellt wird.

Des Weiteren sei angemerkt, dass auch Onpage-Optimierungstools namhafter Anbieter mehrere Überschriften, die innerhalb einer einzelnen Webseite als h1 ausgezeichnet sind, teilweise als kritischen Fehler markieren. Doch besonders bei HTML5-Dokumenten sind mehrere Vorkommen nicht unüblich.

Denn eine Kapselung beispielsweise mit den HTML-Tags <header>, <article>, <section>, <aside>, <footer> trennt Inhalte „sauber“ voneinander. Der Quelltext ist daher auch syntaktisch korrekt. Eine Auswirkung auf das Ranking bei Google hat es nicht.

Beispiel HTML5-Seitenstrukturierung

Beispiel HTML5-Seitenstrukturierung

Ohne Backlinks kein gutes Ranking?

Gleich vorweg: Backlinks, also Links, die von anderen Webseiten auf die eigene verweisen, sind noch immer ein starkes Signal, welches Google zur Berechnung der Wertigkeit einer Webseite heranzieht. Im Umkehrschluss heißt das aber nicht, dass dein Eintrag lediglich auf den hintersten Plätzen in den Suchergebnissen landet, wenn niemand auf deine Seite verweist.

Backlinks sind nur ein Signal, das Google mit weiteren Faktoren für das Ranking in der Suchmaschine heranzieht. Mittlerweile gibt es eine Vielzahl anderer, teilweise zuverlässigerer Signale, die Aufschluss über die Wertigkeit einer Webseite geben.

Trotz der Penguin-Updates zählen Backlinks immer noch zu den manipulativsten Faktoren, von denen Google sich aber mehr und mehr distanzieren wird. Die Distanz sehe ich hier jedoch lediglich in der positiven Bewertung. Denn Google erkennt immer besser, welche Links zur Manipulation eines Suchergebnisses gesetzt wurden. Negativwerte sind daher sehr zuverlässige Signale, die in Algorithmen einfließen können – und meines Erachtens auch sollten.

Wie bereits erwähnt, zählt dein Inhalt zum wichtigsten Teil in der Suchmaschinenoptimierung, wenn du langfristig Erfolg haben willst. Betrachte Links von anderen Webseiten als die Würze, von der du besonders bei hart umkämpften Suchbegriffen auch heutzutage profitierst.

Viele interne Links auf einer Webseite?

Oftmals findet man zahlreiche Links auf einer einzelnen Webseite. Hiermit wird das Ziel verfolgt, mit kalkulatorisch wenigen Klicks alle Webseiten ansteuern zu können. Bekannt ist, dass einer Webseite, die von der aktuellen Webseite aus (bestenfalls von der Startseite oder von allen Seiten aus) mit nur einem Klick erreichbar ist, ein höherer Wert beigemessen wird als Seiten, die man erst mit mehreren Klicks erreicht. Doch genau hier ist Vorsicht geboten!

Viele unterschiedliche Links verwässern zum einen die Thematik der linkgebenden Seite wie auch die der Zielseite. Zudem verringert sich der Wert, den jede verlinkte Seite erhält. Der Kuchen wird aufgeteilt, die Stückchen werden mit jedem zusätzlichen Link kleiner. Das Grundprinzip hat Christoph Baur vor einigen Jahren hervorragend in seinem Artikel zur Optimierung der internen Verlinkung erklärt.

Wenn du deine Leser auf entsprechende Seiten weiterleiten willst, solltest du deine Links an passenden Stellen integrieren. Das Prinzip ist das gleiche wie beim Google-Suchmaschinenergebnis: Willst du Interesse für bestimmte Inhalte wecken und Besucher zum Klicken anregen, so musst du auch innerhalb deiner Webseiten stets wohldurchdacht vorgehen.

Absprungrate als Rankingfaktor?

Viele Webseitenbetreiber freuen sich, wenn sie durch die Erweiterung ihres Analytics-Codes beispielsweise nach erneutem Aufruf nach x Sekunden ihre Absprungrate minimieren können. Schließlich schreiben einschlägige Fachmagazine und namhafte Buchautoren, dass eine geringe Absprungrate ein gutes Signal für Googles Algorithmen bedeutet. Wie ich bereits in meinem Artikel zum Ereignis-Tracking in Google Analytics abschließend geschrieben habe, hat dieser Wert nichts mit dem zu tun, worüber SEO-Spezialisten schreiben.

Das Verständnisproblem liegt aber nicht auf Seiten der Leser. Vielmehr wird das gemeinte Rankingsignal von den Autoren nicht eindeutig erklärt, was dann für Missverständnisse sorgt. Denn gemeint ist hier lediglich die Return-to-SERP-Rate, also der Anteil der Nutzer, der nach Aufruf einer Seite zurück zu den Suchergebnissen kommt. Lass dich also bitte nicht davon irritieren!

Aber auch hierbei sehe ich letztlich keine eindeutigen Signale, die Google verwerten könnte. Vielmehr führen nicht selten viele Puzzleteile (sprich: mehrere Webseiten beziehungsweise Artikel) zum gewünschten Erfolg einer Suche. Unterschiedliche Quellen zu einem Thema erhöhen zudem die Glaubwürdigkeit eines Beitrags. Darüber hinaus bin ich mir ziemlich sicher, dass ich nicht der einzige bin, der Ergebnisse parallel in mehreren Tabs öffnet. Aus meiner Sicht ist daher die Return-to-SERP-Rate ebenfalls kein zuverlässiger Rankingfaktor.

Besuchszeit auf einer Seite ist wichtig?

Stell dir vor, du suchst nach etwas, klickst auf das erste Ergebnis und findest sofort im ersten Satz die passende Antwort. Musst du dich dann lange auf der Webseite aufhalten, um zu bestätigen, dass das Ergebnis, welches dir Google zu deiner Suchanfrage geliefert hat, perfekt war? Nein.

Damit Google die Besuchszeit für die Wertung heranziehen kann, bedarf es also weiterer Messgrößen. Denn wenn die Mehrheit der Nutzer bereits nach wenigen Sekunden die Seite wieder verlässt, weil sofort die passende Antwort gefunden wurde, wie wertvoll ist dann überhaupt noch die Besuchszeit für die Algorithmen …? Sprich: Muss Google uns auf Webseiten beobachten und „die Zeit nehmen“? Die Antwort liegt wohl auf der Hand.

Aus technischer wie auch wirtschaftlicher Sicht sehe ich hier einen viel zu hohen Aufwand für ein viel zu kleines Ergebnis.

Klar ist: Das Unternehmen verfügt über eine enorme Rechenleistung. Bei vermutlich bis zu 5 Milliarden Suchanfragen täglich will ich mir gar nicht vorstellen, wie viel Bewegung auf anderen Webseiten stattfindet. Das Sammeln von Daten ist dabei die eine Sache. Diese zusätzlich in Berechnungen einzubeziehen, deren Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit wenig Einfluss auf das Ranking haben dürfte, darüber sollten wir uns in einigen Jahren vielleicht mal Gedanken machen. Oder auch nicht.

Über 200 Rankingfaktoren bestimmen die Position in den Suchergebnissen?

Ja und nein. Sicher ist nur, dass es eine ganze Menge Rankingfaktoren gibt – die Rede ist oft von über 200 Faktoren. Ich bin mir sicher, dass es weitaus mehr sind. Nur werden nicht alle benötigt, um die Position eines Eintrags zu einer bestimmten Suchanfrage in den Ergebnisseiten zu bestimmen. Um die Qualität und den Nutzen einer Webseite zu bewerten und somit passende Treffer für eine Suchanfrage liefern zu können, benötigt Google weitaus weniger Signale.

Als Entwickler sehe ich einige Faktoren als Grundvoraussetzung. Dazu zählt unter anderem ein gewisser Qualitätsstandard, den eine Webseite erfüllen muss. Inhaltlich wie auch technisch. Bereits für dieses Ergebnis sind mehrere mathematische Formeln beziehungsweise Algorithmen erforderlich.

Apropos Mathematik: Wenn wir in SEO-Kreisen von Faktoren sprechen, reden wir selbstverständlich nicht von Werten, die lediglich in Multiplikationen zu einem Produkt führen. Gemeint sind damit generell Messgrößen, die Einfluss auf das entsprechende Ergebnis haben.

Die Wichtigkeit einer einzelnen Seite wird unter anderem über die interne Verlinkung berechnet. Neben der Menge und Art der Verlinkung spielt hier natürlich auch die Relevanz der verknüpften Seiten eine Rolle.

Ebenfalls zu den Grundfaktoren zählen die Ergebnisse von Algorithmen, die demgegenüber nach Negativsignalen Ausschau halten. Handelt es sich hierbei um eindeutige Manipulationsversuche, kann auf weitere Berechnungen verzichtet werden.

Ansonsten bestimmt dieses Zwischenergebnis, welche und wie viele Algorithmen als weitere Faktoren für die „Endberechnung“ herangezogen werden. Vereinfacht und beispielhaft ausgedrückt, sind mindestens zehn (Achtung: die Anzahl ist mehr oder minder aus der Luft gegriffen!) weitere Berechnungen erforderlich, um eine aufschlussreiche Aussage über eine Webseite treffen zu können. Weitere Faktoren verändern das Endergebnis dann nur noch minimal.

Da Google auf einen riesigen Datenbestand mit einer ganzen Menge Webseiten zurückgreifen kann, basieren viele Werte auf Vergleichen. Extrem nach oben oder nach unten vom Durchschnitt abweichende Ergebnisse machen weitere Berechnungen erforderlich und landen im Zweifelsfall auch mal in einer von vielen sich ständig füllenden Listen. Jetzt beschäftigen sich weitere intelligentere Algorithmen damit, um Gemeinsamkeiten ausfindig zu machen. Sofern dies zu keinem eindeutigen Ergebnis führt, um weiterverarbeitet zu werden, können diese Signale dann mit Webseitenbeispielen an entsprechende Google-Mitarbeiter gesendet werden, die sich diese etwas genauer anschauen.

Ich weiß, es fehlen noch viele weitere bekannte Rankingfaktoren. Zum groben Verständnis, wie ich die Zusammensetzung sehe, sollte dies aber genügen. Außerdem geht es mir primär darum, dass du Aussagen über die Anzahl der Rankingfaktoren etwas nüchterner gegenüberstehst. Oder vielmehr anderes betrachtest. Denn die Berechnungen, die bei Google im Hintergrund passieren, sind alles andere als schnell nachvollziehbar.

Das Wichtigste kurz zusammengefasst

Es kommt nicht auf die Länge an!

Geh gedanklich den Weg deiner Nutzer von ihrer Suchanfrage bei Google bis zum Ende deines Artikels und stelle dir mindestens folgende Fragen:

  • Welches Ziel verfolge ich mit meinem Artikel?
  • Wen will ich mit meinem Inhalt erreichen?
  • Was erwartet ein Nutzer, wenn er auf ein Suchergebnis klickt?
  • Kann mein Artikel die Erwartungen eines Suchenden befriedigen?
  • Wie und womit kann ich überzeugen (Fakten, Studien, Quellen etc.)?
  • Ist die Suchanfrage auch in meinem Text vorhanden?
  • Können Links zu Artikeln von anderen meine eigenen Aussagen stützen?
  • Machen Grafiken meinen Inhalt verständlicher?
  • In welchen thematisch passenden Artikeln von mir kann ich mit entsprechendem Ankertext verlinken?

Nutze die Meta-Description, um zum Klicken anzuregen!

Denk daran, dass die Suchbegriffe in der Meta-Description vorhanden sein müssen, damit diese in den Suchergebnissen angezeigt wird. Vergiss dabei nicht, dass die Begriffe auch im Text vorhanden sein müssen. Experimentiere etwas mit dem Inhalt und übertreibe es nicht mit der Länge. Beobachte dabei, wie sich unterschiedliche Texte auf das Klickverhalten auswirken.

Lenke gezielt die Thematik durch interne Links!

Je weniger Klicks von der Startseite erforderlich sind, um einen Artikel aufzurufen, desto besser. Dies liegt daran, dass die Startseite oftmals die höchste Wertigkeit einer ganzen Website besitzt. Das heißt jedoch nicht, dass alle Artikel von überall aus erreichbar sein müssen. Zu viele Links auf einer Seite minimieren den Wert, den jede einzelne Seite dadurch erhält. Überlege dir daher, welche Verlinkungen thematisch am relevantesten und nützlichsten für die Nutzer sind. Weniger ist mehr.

Betrachte Suchmaschinenoptimierung als Gesamtheit!

Nicht einzelne Faktoren bringen deine Webseite in der Google-Suchmaschine nach vorne. Aber jedes einzelne Signal kann dazu beitragen, die Wertigkeit zu einer Suchanfrage zu berechnen. Sind einige Werte für deine Webseite nicht aussagekräftig genug, sorgen weitere oder gar andere Faktoren für die Position in den Suchergebnissen.

TIPP: Zur Einführung in die Suchmaschinenoptimierung und für alle, die ihre Webseite für Nutzer und Suchmaschinen verbessern wollen, empfehle ich das kostenlose eBook von Google. Selbst SEO-Profis finden in diesem Dokument noch die eine oder andere Inspiration.

Okay, vermutlich schwirrt dir jetzt ein wenig der Kopf. Aber das ist eigentlich auch ganz gut so. Denn wichtig sind mir letzten Endes zwei Dinge: Lass dir den Kopf nicht von irgendwelchen SEO-Mythen verdrehen, sondern probiere, teste und optimiere nach bestem Wissen und Gewissen so lange, bis deine Webseite sich allmählich mausert. Ohne dabei in die in meinem Beitrag erwähnten Fallgruben zu tappen! Klar sollte dir jedoch in jedem Fall sein, dass Suchmaschinenoptimierung ein fortlaufender Prozess ist.  Oder, mit anderen Worten ausgedrückt: SEO ist kein Ponyhof.

Welche anderen SEO-Mythen kennst du noch? Beziehungsweise: In welche Fallgruben bist du selbst schon getappt? Ich freue mich über deinen Kommentar. Gerne auch als Erfahrungsbericht in deinem Blog, mit dem du dann vielen anderen weiterhilfst.
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Steve Naumann

Steve Naumann

Als begeisterter IT-Anhänger entwickelt Steve Naumann seit 1999 u. a. Webanwendungen auf Basis von PHP und Datenbanksystemen wie MySQL. Er betreibt mehrere eigene Webprojekte und unterstützt Kunden bei der Durchführung von strategischen Online-Marketing-Maßnahmen. Der gebürtige Sachse ist Mitinitiator und Herausgeber von Zielbar.

22 Reaktionen zu “SEO-Mythen und die Gefahr, Tipps falsch zu verstehen”

  1. Ela von Immertreu

    Toller Artikel, Steve, danke! Das ist natürlich auch für eine Content Biene ;) gut zu wissen. Liebe Grüße! Ela

    Antworten
  2. tommcrap

    Super! Prima Zusammenfassung. Gar nichts zum title-tag? Hat mich gewundert …

    Gibt jedoch eine Stelle, wo ich nicht ganz einverstanden bin. H1-Überschriften würde ich tatsächlich nur einmal verwenden wollen, weitere Infos dann als H2, noch weniger wichtige in H3.

    Der Satz deutete es schon an, warum ich das meine: Google versucht ganz offensichtlich Informationen nach Wichtigkeit in seinen Index einzuordnen. Und das wäre ja auch die Entscheidung bei einer Webseite oder einem Webshop, zu sagen, das und genau nur das ist die wichtigste Phrase (Keyword).

    Zweitwichtigste dann in die nächste Kategorie H2. So kann man Google noch besser „steuern“ (ich weiß, das ist übertrieben).

    Gruß,

    Tom Ruthemann

    Antworten
    1. Steve Naumann
      Steve Naumann

      Danke, Tom. Meine ursprüngliche Liste war ein ganzes Stückchen größer. Der HTML-Title kam da jedoch nicht vor. Hier habe ich nämlich keine eindeutigen Erkenntnisse gewinnen, wie Google damit umgeht.

      Ich habe Webseiten auf die vordersten Plätze gebracht, bei denen die Suchanfrage nicht im Titel auftauchen. Nachdem ich diese dann hinzugefügt habe, haben einige Einträge ein paar Positionen gewinnen können. Wirklich eindeutige Schlüsse, die auf die Änderung des Titels deuten, konnte ich hier allerdings nicht ziehen, denn dazu gab es andere Signale innerhalb eines Zeitraums, auf die ich keinen Einfluss hatte. Zudem gab es andere Seiten, bei denen ich durchaus erwartet hatte, dass sich etwas tut. Diese bewegten sich jedoch keinen Schritt.

      Vor einiger Zeit hatte ich beobachten können, dass Google bei einigen Webseiten den kompletten Titel veränderte und nur die Suchanfrage darüber angezeigt wurde. Habe ich aber schon lange nicht mehr gesehen.

      Generell sollte man es nicht mit der Länge des Titels übertreiben. Aneinandergereihte Schlüsselwörter sind in der Regel der Wegweiser auf die hinteren Plätze. Ob ein Suchwort vorn, mittendrin oder hinten steht, scheint nicht wichtig zu sein. Am besten fährt man, wenn ein Nutzer darüber erfährt, was ihn auf der Seite erwartet. In der Regel befinden sich bei mir die Suchbegriffe im Titel.

      H1-Überschriften verwende ich, bis auf die angesprochene Kapselung, auch nur einmal. Der Grund ist aber vielmehr die logische Strukturierung eines Textes, wie du es ansprichst.

      Beste Grüße
      Steve

      Antworten
      1. tommcrap

        Noch mal kurz zum title-tag. Steve: Die oft vorgeschlagene Grenze von 64 Zeichen versuche ich beim Texten immer einzuhalten und bin – wie Du es auch vorschlägst – dazu übergegangen meist nur noch zwei / drei Keywords oder ~phrasen aufzuführen. Würde aber immer noch dazu tendieren, das wichtigste Element nach vorne zu nehmen, kann ja auch nicht wirklich schaden.

        Lustig finde ich die vielen Agentur-„Kollegen“ (alles SEO-Fachleute, na klar!), die den Firmennamen als Erstes nehmen. Dazu muß man aber schon mindestens „BMW“ heißen, oder?! ;-)

        Gruß,

        Tom

        Antworten
  3. Ewelina v. Lewartowski-Jansen

    Habe schon etliche Seiten zum Thema „Meta-Description“ durchforstet; am Ende hatte ich aber mehr Fragen als am Anfang. Die sind jetzt endlich beantwortet. Großen Dank dafür!

    Antworten
  4. grep

    Hallo …,

    SEO wird vollkommen surreal interpretiert und überdies maßlos überbewertet – ich gehe insofern mit ihren Ausführungen weitestgehend d’accord.

    Ciao, Sascha.

    Antworten
  5. Mario Schantl

    Sehr schöner Artikel, in den meisten Punkten bin ich ähnlicher Meinung.
    Ich glaube aber und merke das auch in den eigenen Seiten und denen meiner Kunden, dass das Userverhalten ein immer größerer Rankingfaktor ist.
    Das Argument, wenn die gewünschte Suchanfrage schnell beantwortet wird, würde die Besuchszeit verkürzen, gilt ja nur wenn man die Seite isoliert betrachtet. Den Unterschied macht dann der Vergleich zum Mitbewerb.

    Ich denke es liegt an der Suchanfrage selbst, ob die Besuchszeit oder Absprungrate relevant ist. Eine einfach zu beantwortende Frage wird eher kurze Besuchszeiten zur Folge haben (und kann dann sogar ein positives Usersignal sein) als ein komplexer Sachverhalt. Man kann eben nur nicht pauschal sagen, dass lange Besuchszeit ein positiver und immer gleich wichtiger Rankingfaktor ist.

    Antworten
    1. Steve Naumann
      Steve Naumann

      Danke für dein Feedback, Mario. Zur Optimierung der Webseiten für seine Nutzer sind Besuchszeit und Absprungrate in Kombination mit anderen Messgrößen sehr hilfreich. An einen direkten Einfluss hatte ich vor einigen wenigen Jahren auch noch geglaubt. Mittlerweile sehe ich die Kennzahlen aus dem Nutzerverhalten vielmehr als eine Art „Vorboten“. Wenn man seine Nutzer zufrieden stellen und Vertrauen aufbauen kann, lässt sich dies auch an anderen Signalen erkennen oder zumindest ansatzweise Rückschlüsse daraus ziehen.

      Deinen Aspekt, eine Webseite nicht ausschließlich isoliert zu betrachten, finde ich gut. Nicht nur als Vergleich zum Wettbewerb. Auch die Website als Ganzes hat einen Einfluss, wie gut eine einzelne Seite in den Suchergebnissen dasteht.

      Beste Grüße
      Steve

      Antworten
  6. Sven Lennartz
    Sven Lennartz

    Für mich persönlich finde ich SEO immer unwichtiger. Ich mag einfach nicht mehr auf all die vielen bedeutenden Dinge achten, die hier im Artikel angesprochen werden. Ich möchte etwas aussagen, nicht es einer Maschine recht machen.

    Die Besuchszeit oder Verweildauer ist für mich wichtig, weil ich daran erkennen kann, ob meine Beiträge gelesen werden. OK, die Statistik hat noch genauere Daten z.b. Scrolltiefe. Aber so genau möchte ich es dann auch wieder nicht wissen …

    Antworten
    1. Alex

      Hallo Steve,
      tja, das ist der Spagat zwischen Inhalt und SEO.
      Ich denke, es gibt schon eine Mindestanforderung für einen Artikel, sei es für den Text oder Bilder.
      Inhaltlich kann die Suchmaschine immer noch nicht erkennen ob ein Text qualitativ gut oder schlecht ist. Da gebe ich dir recht.
      Was bringt ein Flugblatt, das inhaltlich hochwertig ist und über den Meer verteilt wird, anderseits gibt es Flugblätter die zwar die Menschen erreichen, aber den inhaltlich nicht viel aussagen.
      Meiner Meinung kommt es gerade am Anfang eines neuen Blogs, Website und Blogartikel auf die Kombination an. Qualitativer Inhalt und SEO Mindestanforderung , dient dazu um sich von der Masse bzw. Mitbewerber abzuheben. Eine neue Website wird nicht von heute auf morgen die gewünschten Zugriffszahlen erzielen , da kann SEO unterstützend sein.

      Antworten
  7. Dieter

    Hallo Steve,

    ich kann es nur bestätigen, was du geschrieben hast. Es gibt so viele Tipps, die man einfach so übernimmt, ohne wirklich darüber nachzudenken. Es ist ganz wichtig, alles mit einer gesunden Portion an Skepsis kritisch zu betrachten und zu hinterfragen.

    Vor allem finde ich deine Aussage „Betrachte Suchmaschinenoptimierung als Gesamtheit!“ als absolut richtig!

    Viele Grüße
    Dieter

    Antworten
  8. Moritz Bauer

    Wow. Genialer Artikel! Dass man mit der Meta-Beschreibung solche Kunststücke anrichten kann, wusste ich noch gar nicht. Werde ich sogleich in meine „101 SEO-Tipps“-Liste mit aufnehmen! Danke dir Steve! LG, Moritz

    Antworten
  9. Alexander

    Alles in allem ein gelungener SEO Artikel! Vor allem das Zitat, welches Dieter schon erwähnt hat „„Betrachte Suchmaschinenoptimierung als Gesamtheit!“ halte ich für absolut richtig!

    Antworten
  10. MonikaBirkner

    Danke schön für den interessanten Artikel und das Entzaubern verbreiteter Mythen. Der Satz „Lass dir den Kopf nicht von irgendwelchen SEO-Mythen verdrehen, sondern probiere, teste und optimiere nach bestem Wissen und Gewissen so lange, bis deine Webseite sich allmählich mausert.“ spricht mir voll aus dem Herzen. Er lässt sich auch auf Mythen in anderen Bereichen übertragen.

    Antworten
  11. Ritchie Pettauer

    Ach, das mit der Länge ist so eine Sache… das hängt sehr stark davon ab, ob du eine autoritative Infopage pushen willst oder Conversions erzielen. Im ersten Fall wird’s schwierig mit unter 1.000 Wörtern, speziell bei neuen Domains.

    Antworten
  12. Marcel Schrepel

    Man sollte vielleicht nur eine Kleinigkeit richtig stellen:

    Der Platz in der Meta Description ist genau genommen nicht auf Zeichen begrenzt, sondern auf Pixel (ca. 923px). Entscheidend ist also letztlich die finale „Breite“. Großbuchstaben nehmen mehr Platz ein als ein „i“.

    LG

    Antworten
    1. Steve Naumann
      Steve Naumann

      Danke für die Ergänzung. Das wäre dann die Darstellung in den Ergebnissen bei Suchen über Desktop, wenn man den Text in eine Zeile bringen würde. Sofern nicht andere Daten wie beispielsweise das Veröffentlichungsdatum im Snippet den Anzeigeplatz minimieren.

      Antworten
  13. To. G.

    Super Artikel.

    Toller Grundgedanke hinter dem Artikel.

    Nicht auf Alles hören – selber machen, testen, probieren, anwenden

    …und die Suchmaschine verstehen.

    Antworten
  14. Michelle

    Sehr schöner Artikel!
    Ich finde persönlich, dass klassisches SEO sowieso überbewertet bzw. falsch verstanden wird. Quality is king. Da helfen auch die ausgefuchsten Tricks nichts, wenn die nicht gegeben ist.

    Schönen Gruß
    Michelle

    Antworten
  15. Alex

    Sehr interessanter Artikel. Ich stimme bei jedem Punkt zu. Was ich festgestellt habe, dass Google immer mehr auf die Verweildauer schaut. Ist diese hoch, ist der Nutzer zufreiden. D.h. guten Content darstellen und dem Nutzer das geben, wonach er gesucht hat.
    Gruß Alex

    Antworten
  16. Blogger-Base

    Hallo,

    super Beitrag. Ich denke, dass sich zu viel Suchmaschinenoptimierung negativ auf die Qualität einer Webseite auswirken kann. Je mehr SEO betrieben wird, umso mehr wird der Leser vernachlässigt.

    Antworten
    1. Alex

      Hallo Blogger-Base,

      Nun gut, wenn SEO und Contentmarketing von einer Person betrieben wird, kommt es der Realität schon nahe, da gebe ich dir recht.
      Content is the King, wenn er
      gefunden(SEO-Marketing ggfs.SEM),
      gelesen(Content-Marketing) ,
      und geteilt (Dialog-Marketing)
      wird!

      Gruß Alex

      Antworten

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