Digital Detox und was du daraus lernen kannst – Ein Erfahrungsbericht

Digital Detox und was du daraus lernen kannst – Ein Erfahrungsbericht

Täglich werden wir durch Online-Kanäle aber auch offline mit Informationen überschwemmt, egal ob sie relevant für uns sind oder nicht. Wir haben gar nicht die Möglichkeit, sie zu prüfen, weil es einfach zu viel ist. Durch die Social Media sind wir vernetzt, konsumieren Cat Content oder halten uns auf dem Laufenden. Die Apps haben wir auf dem Smartphone installiert, und wir sind immer erreichbar. Vernetzen ist gut, und es macht mir unheimlich Spaß, aber manchmal ist es für uns alle ganz gut, wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzukommen, das Leben wirklich wahrzunehmen und auch mal aus der digitalen Welt auszusteigen. Vielleicht auch nur für ein paar Minuten am Tag.

Im Gegensatz zu Benjamin Brückners Beitrag „Digital Detox – brauchen wir eine digitale Entgiftung?“, in dem es um die Überflutung des Internets mit unterschiedlich wertigen Inhalt geht und zu mehr Sensibilität mit eigenen Daten aufgefordert wird, fokussiere ich mich heute auf den ganz persönlichen Digital Detox. In meinem Sommerurlaub habe ich eine Woche lang „digital entgiftet“, und jetzt möchte ich dir von meinen Erfahrungen berichten und zeigen, was ich daraus gelernt habe.

Die Fragestellung: Brauche ich einen Digital Detox?

Wenn dir die Frage öfter gestellt wird, ob du noch ohne Social Media oder Smartphone leben kannst, dann fragst du dich das irgendwann selbst. Klar ist es mein Job als Reisebloggerin und Online-Marketing-Managerin, immer über neueste Trends Bescheid zu wissen, auf Reaktionen meiner Leser zu reagieren oder eben auf die meiner Kunden – und erreichbar sollte ich auch sein. Aber muss ich denn ständig aus Langeweile, weil im Fernsehen gerade Werbung läuft, oder während der Arbeit schauen, was bei Facebook, Instagram und Co. passiert? Sollte man die Thesen des Gehirnforschers und Bestsellerautors Manfred Spitzer („Cyberkrank! Wie das digitalisierte Leben unsere Gesundheit ruiniert“), die dieser erst neulich bei „Hart aber fair“ vorgestellt hat, ernst nehmen oder einfach belächelnd ignorieren?

Nein, habe ich mir gesagt. Ich möchte mich selbst testen, das war mein großes Ansinnen, und natürlich den Urlaub in vollen Zügen genießen. In meinem Blog habe ich die Offline-Woche angekündigt und den Beitrag über die sozialen Netzwerke gestreut. Ich war mir darüber im Klaren, dass es nicht vorteilhaft sein würde, meine Reise über die Social Media NICHT zu dokumentieren. Aber das Risiko ging ich einfach ein.

Ich habe folgende Regeln für mich aufgestellt:

  • Soziale Netzwerke sind vollkommen tabu.
  • Tweets werden vorgeplant, aber auf Feedback wird nicht reagiert.
  • E-Mails werden zwecks freiberuflicher Arbeit morgens und/oder abends gecheckt und ggf. beantwortet.
  • Per WhatsApp sage ich der Family nur kurz Bescheid, dass wir gut angekommen sind.
  • Das Handy wird ansonsten höchstens für schnelles Fotografieren genutzt.
  • Ich nehme drei Bücher mit, die ich aber nicht alle lesen muss.

Der Digital-Detox-Selbsttest

Beim Warten aufs Boarding in Hannover war die erste große Schwierigkeit, den „Los-Knopf“ auch wirklich zu drücken. Aber nach einem Abschiedssnap und einem entsprechenden Facebook-Post im privaten Profil bin ich mit meinem Digital Detox gestartet. Musik hatte ich mir über die Spotify-App (die ich für den Urlaub heruntergeladen habe) offline zur Verfügung gestellt, das Hörbuch zu den bedeutendsten Frauen und Männern der Weltgeschichte war ohnehin schon auf meinem Handy und der Roman in der Tasche. Die vier Stunden Flug nach Teneriffa sollte ich also schon einmal ganz gut überstehen. Am Flughafen angekommen wurde also das obligatorische „Mama, Papa, wir sind gut angekommen und fahren jetzt zum Hotel“ mit Bild per WhatsApp geschickt. Das hatte ich mir ja erlaubt, und auch im Hotel angekommen wurde Entsprechendes geschickt. Nach dem Essen und einem Spaziergang hinunter Richtung Strand im Dunkeln und somit einer ersten Erkundung von Puerto de la Cruz, war ich angekommen im Urlaubsfeeling.

Die Woche Urlaub verlief so, wie man sich einen Urlaub eben vorstellt: Strand, Pool und natürlich Erkundungstouren über Land und ein Stadtspaziergang. Bin ich standhaft geblieben? Im Großen und Ganzen ganz klar ja.

Aber ich hatte auch meine Rückfälle:

  • Aus dem kurzen Bescheidsagen per WhatsApp wurden dann doch Unterhaltungen, und die einen oder anderen Urlaubsgrüße an Freunde und Familie mit Fotos wurden auch geschickt.
  • Nachdem wir vom Anschlag in München erfuhren, hielt ich andere Hotelgäste über die Ticker von Welt und Tagesschau auf dem Laufenden (nein, nicht Twitter), denn ihr Ziel war am nächsten Tag München. Da das WiFi zu teuer war, waren meine freien mobilen Daten auch für mich in diesen Stunden ein Segen.
  • Mein Handy wurde Hotspot, damit mein Begleiter mit seinem Handy in etwa das machen konnte, wovon ich Abstand genommen habe. Eher kein Rückfall, aber mein Handy hatte ich griffbereit, was auch zu wiederholten Blicken auf das Display führte. Ein Suchtverhalten? Dazu später.

Zum Amoklauf in München möchte ich noch kurz berichten, inwieweit das für mich einen Zwiespalt darstellte. Natürlich wollte ich nicht rückfällig werden, aber ein deutsches Pärchen war so beunruhigt, weil es am nächsten Tag über München zurückreiste, dass ich mein Handy holte, die mobilen Daten anstellte und mich für Google statt Twitter entschied. So waren die oben erwähnten Ticker meine Informationsquellen. Nachdem es gegen Mitternacht dann doch Entwarnung gab und ich erfuhr, dass sich keine mir bekannten Menschen in München aufhielten, wurde ich ruhiger, und plötzlich war München wie in einer anderen Welt. Von Auswanderern hörte ich dann später, dass man auf Teneriffa wirklich wenig mitbekommt und Ruhe hat vor solch schlimmen Meldungen.

Zurück zum Digital-Detox-Bericht. Zum Thema „Handy-Anwesenheit“ kann ich stolz sagen, dass sowohl mein Begleiter als auch ich unsere Handys im Hotelzimmer ließen, wenn wir an den Strand gingen oder am Pool lagen. Lediglich am letzten Tag hatte ich mein Handy mit am Pool, um ein wenig Musik zu hören. Bei den Touren diente es als Kamera für schnelle Fotostopps, die mobilen Daten schaltete ich aus. Abschließend kann man sagen, ich musste nicht allzu viele solcher Taktiken anwenden, um mich vor einem Rückfall zu schützen. Benachrichtigungen aus den sozialen Netzwerken konnte ich getrost wegdrücken, ohne sie mir anzeigen zu lassen.

Feedback nach einer Woche Digital Detox

Meinen Urlaub habe ich durch Digital Detox wirklich genossen. Trotz derzeitiger Freiberuflichkeit und der eigenen Zeiteinteilung habe ich Ruhe gebraucht, vor allem im Kopf. Die Zeit vorher war mental aus verschiedenen Gründen eine harte Zeit für mich.

Mein Feedback nach einer Woche Digital Detox ist, dass ich in den Social Media eigentlich nichts Weltbewegendes verpasst habe. So gerne, wie ich über sie kommuniziere und mich mit anderen Menschen vernetze, kann ich aber auch mal gut und gerne auf sie verzichten. Viel schlimmer war das routineähnliche Schauen, ob eine Nachricht auf dem Smartphone erscheint – eine Art Sensationsgeilheit – wenn man so will. Ich habe gemerkt, dass es recht schwer ist, dem Verlangen nach Informationen standzuhalten, wenn das Smartphone in der Nähe ist. Ich kann getrost stundenlang ohne Smartphone aushalten, aber man schaut doch als erstes darauf, wenn man zurück ist. Mein Ziel ist es, im nächsten Urlaub mein Handy ganz auszuschalten, so wie es Autorin Karla Rosmarin in ihrem Urlaub ohne Smartphone geschafft hat.

Digital Detox: Eine Woche ohne Internet - geht das überhaupt?TWEET

Tipps zum täglichen Digital Detox

Ich würde mich freuen, wenn du aus meiner Erfahrung etwas mitnimmst, das dir auch im Alltag hilft und nicht nur im Urlaub. Dabei ist es völlig egal, ob du in der Online-Branche arbeitest oder woanders. Es geht um die ständige Erreichbarkeit und eine Überflutung mit Informationen, der du entkommen möchtest.

Meine persönlichen Tipps für die tägliche digitale Entgiftung

  • Checke deine E-Mails nur ein oder zwei Mal am Tag. So antwortest du innerhalb von 12 oder 24 Stunden.
  • Stelle dein Handy auf lautlos, und stelle auch den Vibrationsalarm aus, so dass du nicht sofort reagierst, wenn eine Nachricht kommt.
  • Lasse dein Handy bei der Arbeit für einige Stunden in der Tasche oder lege es in einen anderen Raum.
  • Wenn dein Handy aufgeladen werden muss, dann lade es in einem anderen Zimmer oder so weit von dir entfernt auf, dass du es durch deine Arbeit vergisst.
  • Stelle die Benachrichtigungen von Facebook, WhatsApp oder Instagram aus, lasse dich stattdessen gesammelt per E-Mail benachrichtigen.
  • Wenn du zur Arbeit gehst, dann lasse dein Smartphone nach Möglichkeit zu Hause.
  • Geh am Wochenende oder in der Mittagspause ohne dein Handy spazieren, versuche das auch bei anderen Freizeitaktivitäten.
  • Gehe nicht mit Social Media oder generell deinem Smartphone ins Bett, sondern lies einfach ein gutes Buch. Du kannst es dir ja auch anhören.

Mit diesen Tipps erfinde ich das Rad natürlich nicht neu, aber sie sollen dir einfach noch einmal vor Augen geführt werden, damit du darüber nachdenkst. Versuche es doch erst einmal mit einer kleinen Zeitspanne Digital Detox und beweise dir selbst, dass du es schaffst, auch einmal ohne Social Media und Smartphone auszukommen.

Artikelbild: Martin Mummel/GRVTY

Welche Erfahrungen hast du schon mit all dem gemacht? Und was sind deine Tipps für eine daily dose of Digital Detox?
Digital Detox und was du daraus lernen kannst – Ein Erfahrungsbericht
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Anna Franzen

Anna Franzen

Anna Franzen ist freiberuflich in der Social-Media-Beratung tätig und immer unterwegs. Als Reisebloggerin probiert sie Trends direkt aus. Nach Stationen im eCommerce- und Agenturbereich schlägt ihr Herz auch weiterhin für die zwischenmenschliche Kommunikation – online wie offline.

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