Content Curation für Einsteiger: Mit fremden Inhalten zu mehr Sichtbarkeit und besserer Positionierung

Content Curation für Einsteiger: Mit fremden Inhalten zu mehr Sichtbarkeit und besserer Positionierung

„Content Curation funktioniert für uns nicht. Der Artikel ist doch gar nicht von uns, den können wir nicht teilen. Was ist denn, wenn unsere Kunden den bei der Konkurrenz lesen?“ – Für Social-Media-Profis mag dieser Satz naiv klingen, doch die Social-Media-Managerin meines Kunden meinte ihn ernst. Und bevor jetzt jemand mitleidig lächelt: Die Haltung ist völlig nachvollziehbar und herrscht in vielen Unternehmen vor – und zwar aller Größen.

Deutsche Unternehmen – und auch Blogger – tun sich nicht selten schwer damit, die Inhalte anderer Anbieter oder Blogs zu teilen. Der Gedanke: Wenn wir unsere Kunden, Follower und Fans woanders hinschicken, gehen sie uns verloren.

Ich behaupte: Diese Haltung schadet deinem Unternehmen, deiner Marke, deinem Blog, deiner Reichweite und deiner Reputation. Gut gemachte Content Curation ist keine Gefahr, sondern bietet dir Chancen. Denn sie kann …

  • … dir beim Netzwerkausbau helfen und neue Kontakte einbringen.
  • … die Reichweite und Sichtbarkeit deiner eigenen Kanäle und Publikationen steigern.
  • … deine Reputation positiv unterstützen und dabei helfen, deine Positionierung zu schärfen.
  • … deine individuelle Weiterbildung und Wissensaufnahme aufs nächste Level bringen.
  • … dir zahlreiche Themen für deine eigenen Beiträge liefern.
  • … dir schlussendlich jede Menge Zeit und Nerven sparen.

Klingt zu gut, um wahr zu sein? Mitnichten.

WAS IST CONTENT CURATION?

Wie sich bereits erahnen lässt, ist Content Curation eng mit dem aus dem Kunstbereich bekannten Kuratieren verwandt. Die Kollegen von onpage.org definieren den Begriff in ihrem lesenswerten Guide zum Thema wie folgt:

Der Begriff „Kuratieren“ kommt ursprünglich aus der Kunstwissenschaft und steht dort für das Betreuen und Organisieren einer Ausstellung zu einem bestimmten Thema. Angelehnt an das lateinische Wort „curare“, das übersetzt so viel heißt wie „pflegen,sich kümmern um“, steht der Begriff im Marketing hingegen für das Zusammentragen, Aufbereiten und die Veröffentlichung von Inhalten aus fremden Quellen auf dem eigenen Online-Kanal.

Es geht also darum, die eigene Kommunikation durch Inhalte Dritter aufzuwerten und Fremdinhalte gezielt und systematisch zu teilen.

Egal ob auf Twitter, Facebook, Xing, LinkedIn, Pinterest oder im eigenen Blog: Content Curation lässt sich auf fast allen Netzwerken problemlos bewerkstelligen. Im folgenden englischsprachigen Video wird das Prinzip hervorragend erklärt.

Die eingangs angesprochene Befürchtung, Unternehmen oder Blogger könnten dadurch Leser und Kunden an Konkurrenten verlieren, wird zwar häufig angeführt – nichtsdestotrotz ist sie im Kern falsch. Dazu drei kurze Fragen:

  • Hältst du deine Leser für dumm? (Ich hoffe nicht.)
  • Sind deine Artikel und Inhalte richtig gut? (Hoffentlich ja.)
  • Sind deine Leser und/oder Kunden loyal und schätzen sie deine Inhalte? (Erneut: Hoffentlich ja.)

Wenn deine Leser oder Kunden nicht dumm sind und sich wirklich für ein Thema interessieren, finden sie andere Blogs und Inhalte zu diesem Thema früher oder später von selbst. Wenn du diese Inhalte jedoch empfiehlst, gewinnst du Sympathie- und Karmapunkte.

Wem das zu unkonkret ist: Wenn ein Kunde bei seiner eigenen Recherche auf das Blog eines anderen Unternehmens zum gleichen Thema stößt, liest er die dortigen Inhalte und findet sie vielleicht gut. Wenn du ihm das Blog jedoch empfiehlst, sendet das eine klare Botschaft: „Lieber Leser, lieber Kunde, mir ist es wirklich wichtig, dir die besten Inhalte zu bieten – auch wenn sie von anderen stammen.“

So wachsen Vertrauen und Glaubwürdigkeit.

Und nur der Vollständigkeit halber: Natürlich zahlen in erster Linie kuratierte Inhalte aus deinem jeweiligen Branchenkontext bzw. Themenspektrum auf die eigene Marke und die eigenen Kanäle ein. Alles andere würde beides nach und nach verwässern. Lediglich reichweitestarken Cat Content zu teilen, ist es also nicht – sofern man keine Tierhandlung oder kein Tierfutterproduzent ist, versteht sich.

Wann und wie Content Curation funktioniert

Es gibt Unternehmen und Kommunikatoren, die ihre Kommunikation komplett auf Content Curation aufbauen. Eine solche singuläre Strategie kann erfolgreich sein, würde ich dir jedoch nicht empfehlen.

Vielmehr sollte das Ganze deine eigene Kommunikation ergänzen und aufwerten. Wenn du bereits gute eigene Inhalte erstellst und kommunizierst, kannst du mit Inhalten Dritter weiteren Nutzen bieten.

Wenn du dich, beispielsweise aufgrund knapper Ressourcen, zwischen Content Curation und eigenen Inhalten entscheiden musst, empfehle ich dir, zuerst eine Basis an eigenen Inhalten aufzubauen. Diese kannst du dann auf diese Weise ergänzen und ausbauen.

Für die maximale Wirkung von Content Curation haben sich folgende Regeln bewährt, die allesamt nicht in Stein gemeißelt sind:

  • Definiere klar, zu welchen (eigenen) Themen du Inhalte kuratieren willst.
  • Baue dir ein System auf, mit dem du deine fachlichen Quellen bequem sichten und lesen kannst.
  • Plane die Recherche- und Lesezeit als Arbeitszeit fest ein.
  • Lies wirklich jede Quelle und jeden Inhalt, bevor du ihn teilst.
  • Nutze Planungstools, um die gelesenen Inhalte zeitlich verteilt zu teilen.
  • Teile kuratierte Inhalte immer mit einem begleitenden und einordnenden Kommentar.
  • Erwähne den Autor oder die Autorin des kuratierten Inhalts.

Diese Regeln machen Content Curation zugegebenermaßen etwas aufwändiger als das einfache Teilen von Links. Dieser Aufwand lohnt sich jedoch, da du so die Wirkung maximierst.

Auf dem Twitter-Kanal von Zielbar kuratieren wir beispielsweise regelmäßig Inhalte anderer. Im folgenden Beispiel haben meine Kollegen nicht nur den Urheber auf Twitter erwähnt, sondern auch den passenden Hashtag gewählt und damit das Thema klar gemacht. Auf Twitter mit seiner Zeichenbegrenzung oft das Höchste der Gefühle.

Auf Facebook hingegen ist mehr möglich. Hier markieren meine Kollegen nicht nur die Person, bei der sie den Artikel gefunden haben. Sie nutzen den Beitragstext auch dazu, das Thema des geteilten Artikels anzureißen und Interesse an dem Artikel zu wecken.

Gleichzeitig hat ein einordnender Kommentar bei kuratierten Inhalten noch eine weitere Funktion: Er zeigt deine Kompetenz und Expertise beim jeweiligen Thema.

Teilst du die Inhalte Dritter kommentarlos, können deine Leser und Kunden nicht erkennen, was du von dem Thema verstehst. Ordnest du den Beitrag im Kommentar jedoch und machst deutlich, welchen Aspekten des geteilten Artikels du zustimmst (und welchen nicht), wird deine Kompetenz klar. Ganz nebenbei verhinderst du auch, dass du dir ungewollt Meinungen anderer zu Eigen machst.

Ernsthafte Content Curation bringt Reichweite

Wenn du Content Curation ernst nimmst und dauerhaft betreibst, wirst du dadurch nicht nur deine Kommunikation aufwerten, sondern auch deine Reichweite steigern. Das gilt zumindest dann, wenn du die oben beschriebenen Regeln einhältst und die Urheber der kuratierten Inhalte konsequent markierst und dich bei ihnen für guten Content bedankst. Gleichzeitig bringst du somit auch deine Wertschätzung zum Ausdruck.

Wenn eine Autorin oder ein Autor durch deine Erwähnung sieht, dass du ihren oder seinen Artikel geteilt hast, nehmen sie dich wahr. Manche Autoren und Unternehmen werfen dann einen Blick auf dein Profil und folgen dir, andere teilen sogar deine Inhalte. Und wieder andere melden und bedanken sich vielleicht bei dir.

So wachsen dein Netzwerk, deine Sichtbarkeit und deine Reichweite. Content Curation kann so neue Türen öffnen und Kontakte möglich machen. Gerade wenn du auf inhaltsgetriebenes Marketing wie z. B. Content-Marketing setzt, ist das planvolle Kuratieren von Fremdinhalten also immer auch so etwas wie ein Katalysator für deine eigenen Inhalte. Denn hierdurch werden deine Kanäle flügge und gewinnen für andere an Bedeutung.

Eines ist mir dabei aber sehr wichtig: Es gibt keinen Anspruch auf Feedback irgendeiner Art! Es ist zwar schön, wenn kuratierte Autoren sich melden und interagieren. Doch du kannst das nicht erwarten. Wenn manche Unternehmen oder Menschen nicht reagieren und sich nie bedanken, ist das völlig okay.

Deine Intention bei der Content Curation sollte immer sein, zuerst deinen Kunden und Lesern Nutzen zu bieten. Eben dies ist der Kerngedanke bzw. entscheidende Hebel modernen Marketings. Die positiven Nebenwirkungen sind hierbei toll, bleiben jedoch Nebenwirkung und sind nicht das Hauptziel der Kommunikation. Und eine weitere sehr erfreuliche Nebenwirkung von Content Curation besteht natürlich darin, dass die intensive Beschäftigung mit den Inhalten anderer dein Wissen über deine eigene Branche erweitert und vertieft. Dieser Blick über den Tellerrand wird heute immer wichtiger.

Content Curation praktikabel gestalten

Inhalte zu kuratieren nimmt zwar weniger Zeit in Anspruch, als eigene Inhalte zu erstellen. Trotzdem darf der Zeitaufwand für Recherche, Lesen und Einplanen nicht unterschätzt werden.

Wenn du Content Curation in deine Kommunikation integrierst, empfehle ich dir – neben einem klaren Workflow – auf Quellen zu achten, die dich nicht nur klüger machen, sondern dir ganz nebenbei auch Themen und Ansätze für deinen eigenen Content liefern. So kannst du kuratieren und gleichzeitig deinen eigenen Themen- und Redaktionsplan füllen. Weitere Tipps zur Themenfindung findest du übrigens in diesem Beitrag unseres Redakteurs Marc Ostermann.

Um Content Curation praktikabel zu halten, hat sich für mich die mobile Arbeit bewährt. In meiner Medium-Serie zum Thema „Mobile Kommunikation und mobile Arbeit“ habe ich meinen mobilen Workflow beschrieben. Vielleicht kannst daraus ja auch etwas für dich adaptieren …?

Mobile Kommunikation

Eines der für mich wichtigsten Tools ist für mich dabei Pocket. Hier kann ich Artikel abspeichern und später in Ruhe und sauber für die mobile Ansicht aufbereitet lesen. Außerdem bietet Pocket die Möglichkeit, innerhalb des Dienstes Artikel zu empfehlen und damit auch dort Content Curation zu betreiben.

Der geschätzte Klaus Eck nutzt das Tool und die Empfehlungsmöglichkeit sehr aktiv. Seinen Pocket-Account möchte ich dir hiermit als Inspirationsquelle ans Herz legen. Sehr populär ist außerdem noch Buffer, wenn es um das voreingestellte, genau getimte Teilen von Inhalten via Social Media geht. Insgesamt sollte man Automatisierung jedoch auch bei der Content Curation immer mit Bedacht einsetzen. Aber dies ist wiederum ein Thema für sich.

Artikelbild: Martin Mummel/GRVTY

Wenn du jetzt Lust auf Content Curation und deren positive Effekte für dein Marketing bekommen und/oder Fragen hast, freue ich mich auf deinen Kommentar und eine angeregte Diskussion.
Content Curation für Einsteiger: Mit fremden Inhalten zu mehr Sichtbarkeit und besserer Positionierung
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Christian Müller

Christian Müller

Christian Müller unterstützt soziale Einrichtungen, Bildungsträger und KMU bei der Nutzung digitaler Kommunikationskanäle. Eine seiner Leidenschaften ist die Videoproduktion und der Einsatz von Livestreaming-Apps. Beides vermittelt er mit Sozial-PR auch in Trainings und Coachings.

4 Reaktionen zu “Content Curation für Einsteiger: Mit fremden Inhalten zu mehr Sichtbarkeit und besserer Positionierung”

  1. Melanie Biskup
    Melanie Biskup

    Huch, funktioniert definitiv ;-)
    Vielen Dank für die Nennung!

    Antworten
  2. Barbara Kettl-Römer

    Da habe ich prompt wieder etwas dazugelernt: Es heißt „Content Curation“, wenn ich verwandte Blogs im Auge behalte und deren Inhalte bei passender Gelegenheit teile. Klingt gut, und das Video dazu ist wirklich sehr hübsch :-) Tatsächlich sollte ich das systematischer und geplanter tun als bisher. Danke für die Anregung!

    Antworten
  3. Stephan Schmoly

    Hallo Christian, eine schöne Haltung zur wissenschaftlichen Arbeit und zum Marketing. ?Grüße Stephan

    Antworten
  4. Gerhard Pundt

    Hallo Christian,
    das Thema ist mir nicht neu, aber immer wieder interessant zu lesen.
    Der Artikel enthaelt viele neue Gedanken, die zum Handeln anregen.
    Danke.
    Gerhard

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