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Führen mit Humor: Warum Chefs und Vorgesetzte die Spaßbremse lösen sollten

Führen mit Humor: Warum Chefs und Vorgesetzte die Spaßbremse lösen sollten

In der isländischen Hauptstadt Reykjavík hatte vor einigen Jahren ein ausgemachter Spaßvogel das Sagen: Als Sieger aus der Kommunalwahl 2010 hervorgegangen, übernahm der landesweit bekannte Musiker, Autor und TV-Komiker Jón Gnarr seinerzeit das Bürgermeisteramt in der einzigen Metropole des arg von der Bankenkrise gebeutelten nordatlantischen Inselstaats – und dies offensichtlich mit Erfolg: Der pragmatische Polit-Neuling brachte beispielsweise die Finanzen seiner Heimatstadt sowie den öffentlichen Nahverkehr auf Vordermann und verschlankte obendrein die Verwaltung. Dass er – wie ohnehin zuvor angekündigt – seine Wahlversprechen brach, nahm ihm dann keiner mehr übel. Vor seinem Amtsantritt hatte Gnarr seinen Landsleuten unter anderem Eisbären für den örtlichen Zoo, offene statt heimliche Korruption, ein drogenbefreites Parlament und kostenlose Handtücher in Schwimmbädern versprochen.

War es ihm anfangs darum gegangen, dem verlogenen Politikbetrieb den Spiegel vorzuhalten, so bewegte Gnarr in dem 120.000-Seelen-Kaff am Rande des Polarkreises später tatsächlich so einiges. Aus diesem Grund widmete der WDR dem ehemaligen Punker und Taxifahrer kurz vor Ende seiner Amtszeit im Jahre 2014 ein kleines, aber feines Porträt. „Ich habe bewiesen, dass Fröhlichkeit auch in der Politik existieren darf. Es muss nicht immer alles totlangweilig sein. Man darf auch ruhig Fehler machen“, sagt der heute 48-Jährige darin.

Wer sich schon einmal mit dem Thema „Humor als Führungsinstrument“ beschäftigt hat, der weiß, wie viel Wahrheit in diesen Zeilen steckt. Umso bedauerlicher ist es, dass in Deutschland ein humorvoller Führungsstil noch immer die Ausnahme von der Regel ist … Denn so bleiben auch in Unternehmen gute Möglichkeiten für ein besseres und erfolgreicheres Miteinander ungenutzt. Welche das sind (und wo es Grenzen gibt), davon handelt dieser Beitrag.

Gemeinschaftliches Lachen baut Spannungen ab

Nicht wenige Evolutionsforscher gehen davon aus, dass unsere vorzeitlichen Urahnen Humor zum Zwecke der Spannungsreduktion entwickelt haben. Hörte man etwa auf der Suche nach Nahrung ein verdächtiges Geräusch im Gebüsch, das möglicherweise von einem gefährlichen Raubtier stammen konnte, so standen den Frühmenschen zunächst einmal die Haare zu Berge. Kurzum, man erstarrte förmlich zur Salzsäule. Wenn dann aber nur ein Karnickel oder ein anderes Kleintier aus dem Unterholz hervorgehoppelt kam, habe sich die Anspannung in Form eines belohnenden gemeinschaftlichen Lachens entladen, vermuten die Forscher. Es sei denn, es handelte sich tatsächlich um einen Bären oder Berglöwen. Dann war Schluss mit lustig. Bis heute hat sich daran kaum etwas geändert.

Merken wir uns also: In Krisensituationen wirkt gemeinschaftliches Lachen befreiend und stellt die Handlungsfähigkeit einer Gruppe wieder her. Wie uns die Erfahrung lehrt, trägt es aber auch im sonstigen Miteinander maßgeblich zur Entwicklung des Wir-Gefühls innerhalb von Gruppen bei – ebenso wie Zuneigung, Vertrauen und Hilfsbereitschaft dient Humor als Kitt sozialer Beziehungen. All dies gilt nicht minder für das soziale Gefüge in Unternehmen und das über den Geschäftserfolg mitentscheidende Betriebsklima.

Sozialer Humor versus aggressiver Humor

So legt zum Beispiel eine Studie von Mannheimer Arbeitspsychologen von 2015 nahe, dass die verbindende Kraft des Zusammen-lachen-Könnens im Verhältnis zwischen Führungskräften und Mitarbeitern eine bedeutende Rolle spielt. Die Untersuchung zeigte, dass Vorgesetzte genau dann durch humorvolles Auftreten punkten und ihr Ansehen im Team erhöhen, wenn der Humor sozialer Art ist. Also wohlwollend und positiv. Dadurch werden Identifikationsmöglichkeiten geschaffen und der Beziehungsaufbau gefördert, was sich in aller Regel vorteilhaft auf die Motivation der Mitarbeiter auswirkt. Außerdem sind diese dann eher bereit, auch mal etwas kritischere Entscheidungen mitzutragen, ohne ihren Vorgesetzten sogleich in Frage zu stellen oder gar unter der Hand gegen ihn zu arbeiten. Ein solcher „Bonus“ fällt einem allerdings nicht in den Schoß – dafür muss man schon etwas tun. Und zwar das menschlich jeweils Richtige. Was immer das im Einzelfall nun sein mag.

Aggressiver Humor gehört jedenfalls nicht dazu. Und dies insbesondere dann, wenn „Späße“ auf Kosten anderer gehen und/oder die Grenzen des guten Geschmacks überschreiten. Mit solcherlei Unangemessenheiten bewirken Führungskräfte eher das Gegenteil, indem sie Verunsicherungen und Spannungen im Team auslösen, womöglich einzelne Mitarbeiter isolieren und schlimmstenfalls die Gruppe spalten. Darüber hinaus schaden sich Vorgesetzte so aber auch selbst, da sie sich gleichermaßen ausgrenzen und fahrlässig die Loyalitätskarte verspielen. All dies ist nicht ihre Aufgabe.

Deutsche Unternehmen als Humorpatienten

Okay, natürlich ist das Ganze oftmals eine Gratwanderung, die jede Menge Fingerspitzengefühl und Mutterwitz erfordert – doch alles in allem tun Chefs, Manager und Abteilungs- und Projektleiter gut daran, hier und da die Spaßbremse zu lockern und auf die positiven Wirkungen sozialen Humors zu setzen. Vor allem in angespannten Situationen. Die Vorteile überwiegen nun einmal, und nicht von ungefähr werden mittlerweile auch hierzulande allerhand Seminare und Workshops zu diesem Thema angeboten. Was zugleich den Verdacht erhärtet, dass deutsche Unternehmen, die im Ausland ohnehin nicht gerade als Hochburgen der Glückseligkeit gelten, in der Tat ausgesprochene Humorpatienten sind … Belgien, Italien und die Niederlande sind uns da eine Nasenlänge voraus: Dort gab es vor einigen Jahren sogar Humor- und Lachtrainings auf Krankenschein. Kein Witz.

Hinzu kommt, dass ein entspannter Umgang mit Stress gesund ist. Wieso also gleich lauthals lospoltern, nur weil soeben ein oberwichtiges Software-Projekt gescheitert ist oder eine erfolgversprechende Produktentwicklung eingestampft werden musste? Klar ist das scheiße. Doch wenn das Kind eh schon in den Brunnen gefallen ist, dann ist es mit Sicherheit weitaus erbaulicher [sic!], wenn der Vorgesetzte vor versammelter Mannschaft so etwas sagt wie: „Na ja, sehen wir es mal von der positiven Seite: Statt in den nächsten Wochen weiterhin eine Überstunde nach der nächsten zu kloppen, haben wir jetzt alle erst einmal wieder mehr Zeit, daheim im Haushalt zu helfen. Ich werde gleich heute eine größere Spülmaschine bestellen …“ Das entspannt die Situation, ohne das Scheitern zu leugnen. Und nicht zuletzt macht es auf selbstironisch-sympathische Weise deutlich, dass alle im selben Boot sitzen. Eben darum geht es. Ein paar weitere zielführende Methoden finden sich übrigens in diesem Artikel der WiWo.

Was leistet ein humorvoller Führungsstil in Unternehmen?

  • Entschärfung von Stresssituationen
  • Akzeptanz der Vorgesetzten
  • Abbau von Hierarchien
  • Stärkung des Wir-Gefühls
  • Verbesserung des Betriebsklimas
  • Steigerung der Mitarbeitermotivation

Also: Nicht immer alles so eng sehen!

Kommen wir nun zu den Humorhauptproblemzonen deutscher Unternehmen: Neben dem altgedienten Führungspersonal preußischer Schule (kleiner Spaß am Rande) springen hier in erster Linie diejenigen jungen Führungskräfte ins Auge, die ihre Unerfahrenheit oder Unsicherheit durch überzogen autoritäres Verhalten zu kompensieren versuchen. Auf den ersten Blick ist das zwar naheliegend, und man kann es ihnen auch irgendwie nachsehen, da nicht jeder den unverkrampften Umgang mit den eigenen Mitarbeitern im Repertoire hat. Doch am Ende des Tages bleibt es dabei, dass der „richtige“ Humor im obigen Sinne oft totale Fehlanzeige ist. Was heutzutage genau dann reichlich problematisch ist, wenn sich Unternehmen eine agile Führungskultur und flache Hierarchien auf die Fahnen geschrieben haben. Schließlich haben viele Mitarbeiter ein überaus feines Gespür für Widersprüche zwischen der vorgeblichen und der tatsächlich gelebten Unternehmensidentität bzw. -kultur. Und bei allzu viel Schieflage geht der Schuss schnell nach hinten los.

Humorvoller Führungsstil: Vorgesetzte müssen heute mehr denn je Mensch sein.TWEET

Was also tun, damit sich junge (oder ältere) Vorgesetzte nicht selbst im Wege stehen und das gesamte Unternehmen ausbremsen? Nun, man sollte sie dazu ermutigen, Fünfe auch mal gerade sein zu lassen, manche Dinge mit einem Augenzwinkern zu kommentieren und bei Fehlern nicht vor Selbstironie zurückzuschrecken. Das hilft allen. Denn klar ist: Führungskräfte müssen heute mehr denn je Mensch sein, ohne freilich ihre Autorität zu untergraben. Dafür tragen sie zu viel Verantwortung. Sozialer Humor als Führungsaufgabe ist hier ein guter Weg. Doch diesen muss man beherrschen. Sei es durch Erfahrung, Workshops oder das Beispiel des isländischen TV-Komikers Jón Gnarr. Dieser hatte 2014 trotz guter Aussichten auf eine Wiederwahl ins Bürgermeisteramt von Reykjavík auf eine erneute Kandidatur verzichtet und darauf hingewiesen, dass es im Leben noch Wichtigeres gibt. Man möchte ihn für seine Gelassenheit umarmen.

Wir müssen uns Gnarr als einen glücklichen Menschen vorstellen. Und wir können viel von ihm lernen – wenn wir nur wollen.

Findest du sozialen Humor am Arbeitsplatz oder in Kundenprojekten ebenfalls entspannend und motivierend? Und hast du zufälligerweise auch ein gutes Beispiel dafür parat und lässt uns alle mitschmunzeln …? Dann nur her damit!
Führen mit Humor: Warum Chefs und Vorgesetzte die Spaßbremse lösen sollten Rating: 4.58/5 12 Votes
Andreas Quinkert

Andreas Quinkert

Andreas Quinkert ist PR-Freelancer für strategische Kommunikation. Als 1966er Jahrgang eigentlich ein Printzeiten-Relikt, fühlt er sich heute auch im Digitalen pudelwohl – mit Fokus auf Content-Strategie. Der leidenschaftliche Ruhrpottler ist seit Sommer 2015 Chefredakteur von Zielbar. Info unter Quinkert PR & Redaktion.

2 Reaktionen zu “Führen mit Humor: Warum Chefs und Vorgesetzte die Spaßbremse lösen sollten”

  1. Andreas

    Kreativität ist eine wichtige Kernkompetenz und die braucht ein angenehmes, humorvolles Klima. So gibt es manche Werbe-Agentur, in der die Mitarbeiter hin und wieder im Pyjama ins Büro kommen.
    Ein bekanntes Tagungshotel in Nürnberg hat an vielen Stellen Smileys angebracht, um die Mitarbeiter daran zu erinnern, dass Herzlichkeit im Kundenkontakt wichtig ist.
    Das ist dann aber schon wieder grenzwertig und gipfelt in Arbeitsvertragsklauseln großer Einzelhändler, der Mitarbeiter habe im Kundenkontakt zu lächeln. (Ansonsten Abmahnung?)
    Da gefriert einem das Lachen schon mal im Gesicht und verkommt zum Grinsen. Und das Grinsen ist bekanntlich des Teufels Domäne.

    In jedem Fall haben militaristische, autoritäre Verhaltensweisen heutzutage ausgedient. Die funktionieren nur bei Mitarbeitern, die beruflich über keine Alternative mehr verfügen und bereits innerlich gekündigt haben.

    Antworten
    1. Andreas Quinkert
      Andreas Quinkert

      Hi Andreas,
      danke für deinen ergänzenden Kommentar! Ich selbst gehe oft in Jogginghose und Schlabbershirt zur Arbeit. Bzw. vom Schlafzimmer hinüber ins Home Office. ;-) So kann ich ganz entspannt kreativ sein.

      Gruß aus DU
      Andreas Quinkert

      Antworten

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